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Brand einer Windkraftanlage

Der Brand einer Windkraftanlage im Bereich der A 44 nahe dem Autobahnkreuz Wünnenberg-Haaren wurde gestern, 20. April 2002 um 14:45 Uhr, der Polizei Paderborn gemeldet. Von dem brennenden Rotorkopf schlugen die Flammen in den nach oben stehenden 5 Tonnen schweren Flügel aus Fiberglas. Die Windkraftanlage vom Typ Vestas mit einer Leistung von 1,5 MW ist 108 m hoch bis zur Flügelspitze. Deshalb war ein Löschen nicht möglich. Die rund 400 m entfernt verlaufende Autobahn A 44 wurde wegen der Gefahr von fliegenden Wrackteilen in beiden Richtungen gesperrt. Erst um 3:45 Uhr heute morgen wurde die Autobahn wieder geöffnet. 

Flügelteile und Eisbrocken fliegen seit Jahren von Windkraftanlagen aus bis über 400 Meter weit. Sie trafen Menschen und durchschlugen Autos und Gebäude. Mindestens 600 Meter Sicherheitsabstand von Straßen und Wegen sind zum Schutze von Leib und Leben erforderlich. Die informierten Behörden und der ADAC bleiben untätig. 

Am Mittwoch, 24.4.2002, 10-11.00 Uhr, werden in der Plenarsitzung im Landtag Anfragen der FDP Nordrhein-Westfalen zur Verkehrssicherheit von geplanten Windkraftanlagen entlang der A 1 von der Landesregierung beantwortet. 



 

Lippische Rundschau (Ostwestfalen-Lippe) = Westfalenblatt vom 22. April 2002

Autobahn nach Brand eines Windrades 13 Stunden gesperrt Flammen wüten auf der V66
Von Wolfgang Schäffer (Text), Karl Pickhardt und Julia Queren (Fotos)

Bad Wünnenberg (WB). Ein Feuer auf einer Windkraftanlage im Windpark Sintfeld (Kreis Paderborn) hat den Verkehr auf der Autobahn A 44 Dortmund-Kassel fast 13 Stunden komplett lahmgelegt. Die bisher längste Autobahnsperrung in Ostwestfalen-Lippe rund um das Kreuz Wünnenberg-Haaren dauerte von Samstagnachmittag bis Sonntag früh kurz vor vier Uhr. »Wir befürchten, dass Trümmerteile der Anlage auf die Autobahn stürzen können«, begründete der stellvertretenden Kreisbrandmeister Bernhard Lücke die in Absprache mit der Polizei vorgenommene großräumige Umleitung eine knappe Stunde nach dem Ausbruch des Feuers auf dem fast 80 Meter hohen Turm. Ansonsten musste der 49-Jährige ebenso wie seine Kollegen tatenlos zusehen, wie die Flammen im Maschinenraum der Anlage »V66« wüteten, auch auf die knapp 33 Meter langen Rotorblätter übergriffen und die Anlage komplett zerstörten. 

Nach einer ersten vorsichtigen Einschätzung der Lage will die Firma Vesta, die neben dieser auch eine Reihe der anderen in dem im August 2001 eingeweihten Windpark Sintfeld (mit mehr als 70 Anlagen angeblich der größte Binnenwindpark Europas) gebaut hat, die von dem Feuer zerstörte V66 komplett demontieren. »Wir haben zwei Teams vor Ort, die nach eingehenden Untersuchungen entscheiden werden, was genau zu tun ist.« 

Ein Sprecher des Unternehmens sagte gestern dem WESTFALEN-BLATT, es sei bereits ein entsprechender Kranwagen nach Bad Wünnenberg unterwegs, um von außen den Schaden in Augenschein nehmen und wenn möglich auch sofort mit dem Abbau der Reste der drei Rotorblätter sowie der Gondel beginnen zu können. Grund für die Eile sei die Sorge, dass bei Wind doch noch größere Stücke der insgesamt 190 Tonnen schweren Anlage zu Boden stürzen können. Andererseits soll das Windrad aber auch so schnell wie möglich wieder in Betrieb genommen werden. Zudem wollen Hersteller und Betreiber, Johannes Kolsch (45/er betreibt insgesamt neun Windräder in dem Windpark Sintfeld), natürlich auch Erkenntnisse über die Ursache des Brandes gewinnen. Denn zum Zeitpunkt des Feuers war es fast windstill, so dass eigentlich weder eine Überhitzung eines Lagers noch ein Kurzschluss Grund für das Unglück sein können, bei dem die etwa 400 Liter Getriebe- und Hydrauliköl im Maschinenraum den Flammen reichlich Nahrung gaben. 

Hinweise auf eine Straftat gibt es ebenfalls nicht. Die Kripo hatte noch am Samstag abend die Tür zum Windturm genauestes untersucht. »Der Eingang war verschlossen und unbeschädigt«, so ein Sprecher gestern. Es war kurz vor 15 Uhr, als am Samstag bei der Polizei die ersten Meldungen über das Feuer eingingen. Besorgte Autofahrer, die von der A44 aus die Rauchfahne auf dem nur knapp 300 Meter entfernten Windrad gesehen hatten, schlugen per Handy Alarm. Fast eine halbe Stunde lang war der Notruf blockiert. 

Nach ihrem Eintreffen aber konnten Polizei und Feuerwehr nur dafür sorgen, dass Schaulustige nicht zu nahe an den Turm kamen. Die Flammen in der 50 Tonnen schweren Gondel auf der Spitze der fast 80 Meter hohen Säule und in den zwei Tonnen schweren Flügeln waren nicht zu bekämpfen. Immer wieder stürzten brennende Teile in die Tiefe. Eine Einsturzgefahr für die komplette etwa 1,5 Millionen Euro teure Anlage (1,6 Megawatt) bestand aber nach Angaben der Experten zu keiner Zeit.

Bildunterschrift:
Kilometerweit war die pechschwarze Rauchfahne zu sehen, die nach dem Brand auf der Windkraftanlage gen Süden zog. Immer wieder stürzten brennende Teile aus fast 80 Metern Höhe in die Tiefe.
Bildunterschrift:
Der stellvertretende Stadtbrandmeister von Bad Wünnenberg, Heiner Hillebrand, musste tatenlos das Feuer beobachten

-Verlagshaus in Bielefeld 0521 585 0, Email: motor@westfalen-blatt.de 


Westfalenpost vom 22. April 2002

Flammen zerstören 100 Meter hohes Windrad

Wünnenberg. Ein Feuer hat am Samstag eine 100 Meter hohe Windkraftanlage bei Wünnenberg zerstört. Nach ersten Schätzungen von Feuerwehr und Polizei vom Sonntag entstand ein Sachschaden von etwa 1,5 Millionen Euro. Verletzte gab es nicht.
Nach Angaben des stellvertretenden Feuerwehrführers der Stadt Wünnenberg, Heiner Hillebrand, alarmierten Autofahrer die Feuerwehr um 14.50 Uhr. Die Flammen hatten beim Eintreffen der Feuerwehr bereits Getriebe und Generator der Anlage erfasst.
"Der ganze obere Block in ca. 75 Metern Höhe stand in Flammen", berichtet Hillebrand. Da die Feuerwehr nur über eine 35 Meter hohe Drehleiter verfügte, musste sie untätig zusehen, wie tiefschwarzer Qualm und Flammen aus der Anlage schlug. "Selbst, wenn unsere Leitern lang genug gewesen wären, die Gefahr wäre für uns einfach zu groß gewesen", so Heiner Hillebrand.

Während des Brandes stürzten mehrere Teile des 28 Meter langen und fünf Tonnen schweren Fieberglasflügels in die Tiefe. Die Trümmer des Rotorblattes verteilten sich auf Grund der starken Windböen im Umkreis von 200 Metern. Die angrenzende A 44 lag nur 250 Meter vom brennenden Turm entfernt. 20 Feuerwehrleute aus Paderborn und dem Hochsauerlandkreis sperrten das Gebiet um den Turm weiträumig ab. 

70 bis 80 besorgte Anrufer, Spaziergänger und Autofahrer, meldeten sich bei der Polizei und der Feuerwehr. "Es war, als wenn eine überdimensionale Fackel den Himmel in der Abenddämmerung erhellte", berichtet Hillebrand. Im Generator gingen 300 Liter Hydraulik- und Schmieröl in Flammen auf. Gegen 19.30 Uhr erlosch die "Riesenfackel". Die Bevölkerung im Umland war nicht gefährdet, da die Giftkonzentration nach den Messungen der Feuerwehr unter dem zulässigen Wert lag.
So etwas habe er noch nie zuvor gesehen, berichtet Hillebrand. "Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass in Deutschland jemals eine Windkraftanlage gebrannt hat." Hundert Schaulustige mussten von der Polizei abgedrängt werden. "Da hätte man glatt mehrere Bierbuden aufbauen können", scherzt Hillebrand nach dem glimpflichen Ausgang des Brandes.
Über der Brücke der angrenzenden A 44 stellte die Feuerwehr einen ihrer Wagen ab. Hillebrand: "Damit wollten wir den Autofahrer zeigen: Wir sind schon da!" 

Kurze Zeit später musste die Autobahn A 44 dann doch zwischen Wünnenberg-Haaren und Marsberg-Meerhof aus Sicherheitsgründen bis fünf Uhr morgens gesperrt werden. Der Verkehr wurde weiträumig umgeleitet. 

Über die Brandursache lagen zunächst keine gesicherten Erkenntnisse vor. Gestern Nacht sollte ein 800-Tonnen-Kran den verkohlten Generator vom Turm bergen. Möglicherweise habe ein technischer Defekt die Flammen entfacht, sagte ein Sprecher der Polizei. Ob es auch ein Anschlag von Windkraftgegnern gewesen sein könnte, dazu wollte die Polizei keine Angaben machen.
Die abgebrannte Windkraftanlage gehört zum Windgebiet Sintfeld, das mit mehr als 65 Windkraftanlagen auf einer Fläche von 765 Hektar zum größten Binnenwindgebiet des Kontinents gehört. 220 Millionen Mark investierten verschiedene Betreibergesellschaften aus Paderborn und dem Hochsauerland.

Von Rudi Pistilli  
- Westfalenpost in Hagen, 02331 917 0. Email: westfalenpost@cityweb.de 

Text von Dieter Krämer

 

03.06.2002http://WilfriedHeck.tripod.com