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Fischer befürchten Verlust von 1000 Quadratkilometer Fanggebiet
Widerspruch gegen Windpark Borkum-West / Forderung nach Vorranggebieten für Fischerei

-EUJ- Neuharlingersiel. Durch die geplanten Offshore-Windparks befürchten die Fischer den Verlust von mehr als 1000 Quadratkilometern Fanggebiet. Das ging am Freitag aus den Ausführungen des Vorsitzenden Wilhelm Th. Jacobs und des Geschäftsführern Dr. Peter Breckling auf der Jahreshauptversammlung des Verbandes der Kleinen Hochsee- und Küstenfischerei im Landesfischereiverband Weser-Ems in Neuharlingersiel hervor.

"Wir sind bei den Diskussionen und Planungsrunden angehört worden, aber die Belange der Fischerei sind bisher noch nicht berücksichtigt worden", erklärte Jacobs. Die meisten Betreibergesellschaften hätten zwar erklärt, dass sie gegen eine Fischerei in ihren Windparks nichts einzuwenden hätten, aber noch sehe es so aus, als ob die Genehmigungsbehörde die gesamten Windparks für die Fischerei sperren wollten. Auf jeden Fall gingen durch die Windmühlen und die Kabeltrassen zum Land hin große Fanggebiete verloren.

"Die Fischerei könne das nicht hinnehmen", stellte Jacobs fest. Sie habe deshalb Widerspruch gegen die erste Genehmigung für den Windpark Borkum-West eingelegt. Die Fischer sind der Auffassung, dass die Probleme der Sicherheit auf See nicht hinreichend geklärt sind.

Und nicht nur das: Das Sicherheitsgutachten für den Seeverkehr wurde vom Germanischen Lloyd ausgearbeitet. Darin wird ausführlich dargestellt, wie positiv der Gutachter den Offshore-Windparks gegenüber steht. Jacobs: "Besser hätte auch ein grüner Politiker seine Voreingenommenheit nicht formulieren können."

Der Fischerfunktionär wies darauf hin, dass die Windparks zwischen den Verkehrstrennungsgebieten errichtet werden. Diese beiden Schifffahrtswege gehörten zu den weltweit am meisten befahrenen Seeschifffahrtsstraßen.

Den Vorwurf der Befangenheit beschränkte Jacobs nicht nur auf den Gutachter selbst. Er erinnerte daran, dass der Germanische Lloyd auch die Zertifizierungsgesellschaft für Offshore-Anlagen sein könne. Und an der Zertifizierung werde viel Geld verdient.

Vorsitzender und Geschäftsführer sehen Einschränkungen in den bisherigen Fanggebieten aber nicht nur durch die Windenergienutzung. Das Baggern und Verklappen zur Vertiefung der Fahrwasser von Ems, Jade und Weser setze sich fort und verursache immer mehr Probleme für die Fischerei. Auf der Jade werde die Fischerei von den Arbeiten zur Errichtung des Tiefwasserhafens betroffen sein. Immer größere Flächen seien für die Sand- und Kiesgewinnung vorgesehen, wodurch wichtige Fanggebiete ihre Ertragsfähigkeit auf Jahre verlieren würden. Jacobs: "Angesichts der vielen Fanggebietsverluste fordern wir Vorranggebiete für die Fischerei." Es könne nicht sein, dass immer und überall andere Nutzungen gegenüber der Fischerei Vorrang besäßen.

Anzeiger für Harlingerland 04.03.2002 (S. 6) 
 
 

05.03.2002http://WilfriedHeck.tripod.com