Make your own free website on Tripod.com
  
 
Windenergie im Widerstreit

Seit der Ankündigung von PressenElektra, die Kassen zu schließen, droht der Naturstromproduktion in Norddeutschland eine existenzbedrohende Flaute, wie die Frankfurter Neue Presse vom 19.10.1999 berichtet. Deshalb möchten die Windlobbyisten eine schnelle Änderung des Stromeinspeisungsgesetzes.

Ist dieser Wunsch kein unübersehbares Zeichen der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Windstromproduzenten von den politisch zur Abnahme gepreßten Energieversorgern. Warum kümmern sich Windkraftbetreiber nicht selbst um ihre Kundschaft für den angeblichen Ökostrom? Mit echtem Ökostrom, der gesparten Energie, kann man aber keine Geschäfte machen. Somit muß der teure Naturstrom, den die meisten hierzulande nicht bezahlen wollen, auf die Allgemeinheit umgelegt werden, weil an dieser ineffektiven Energieproduktion angeblich 20.000 Arbeitspätze hängen. Also kein Energiebeschaffungsprogramm sondern ein Arbeitsbeschaffungsprogramm auf Kosten von Natur und Umwelt, bei dem die Binnenlandstandorte einen höheren Einspeisepreis als an der Küste benötigen, denn "die Standortqualität spielt eine entscheidende Rolle". Auf deutsch: Je weniger Kilowattstunden pro Jahr (kWh/a) eine Anlage produziert, desto höher soll die Vergütung pro Energieeinheit (kWh) sein. Ist es ein Wunder, wenn für solch fatale Erkenntnisse auch noch zwei Gutachten mit "dem gleichen Ergebnis" bereit stehen? Man kann auf die Erklärungen der Vertreter des Bundestages am 18. November 1999 gespannt sein.

"Klotzen und nicht kleckern", heißt in diesem windigen Geschäft natürlich die Devise. Wie sonst käme der Bundesverband Windenergie auf die Idee, daß man mit Windkraftanlagen das Braunkohlekraftwerk am Standort Lippendorf ersetzen könne, wie die Leipziger Volkszeitung Online vom 19.10.1999 mitteilt. Mit einer gesicherten Standortvergütung für eingespeiste Strommengen brauchen WKA-Betreiber sich dann selbst an ungünstigen Lagen keine Sorgen um die gesicherte Energieversorgung mittels zuverlässig bereitgestellten Leistungen machen. Das sollen die konventionellen Betreiber tun! Aber womit, wenn zuverlässig arbeitende Kraftwerke durch WKA ersetzt werden sollen? "Nach Meinung des Verbandes sei es möglich, durch den Einsatz von modernen Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils fünf Megawatt ... sowohl die Leistung des Kraftwerks zu ersetzen als auch dem Bodenentzug entgegenzuwirken." Wieviele 5-MW-Anlagen dafür bereit stehen müßten und wo, wird nicht mitgeteilt. Das Kraftwerk Lippendorf in Sachsen hat eine Leistung von ca. 1.800 MW und eine einfache Rechnung kann ja schließlich suggerieren, daß man mit 360 WKA à 5 MW die Leistung dieses Braunkohlekraftwerkes ersetzen könnte, basta! Doch was ist bloß, wenn der Wind an den WKA nicht mit jeweils 5 MW Leistung sondern schwächer oder garnicht weht? Windkraftanlagen erreichen ihre volle Leistung erst bei Windstärke 7 - 8. Ist das auf Dauer ökologisch? 1997 betrug die Auslastung der Windkraftanlagen in Sachsen gerade mal 15,14%. Alle Windkraftanlagen lieferten also im Jahresmittel nur knapp ein sechstel ihrer Nennleistung. Also bräuchte man statt 360 WKA sechsmal so viele, um die installierte Leistung des Braunkohlekraftwerkes bereitzustellen. Doch wer steuert deren Betrieb entsprechend der gewünschten Leistungsnachfrage beim Endverbraucher? Der Wind?

Und wohin mit den gewaltigen Türmen, die, einmal in die Nähe oder um Ortschaften oder malerische Landschaften gruppiert, erheblichen Protest in der Bevölkerung auslösen. Niemand will in deren Nähe wohnen. Und trotzdem: Was wäre in einer kalten, sternklaren aber windstillen Winternacht, wenn das Braunkohlekraftwerk in Lippendorf durch WKA einmal ersetzt ist? Sollten Windkraftanlagen nicht auch noch Kernkraftwerke im großen "Stromsee" ersetzen? Und könnten die bisher nicht ausgereiften 5-MW-WKA ebenso die Produktion von Strom und Wärme des neuen 1.600-Megawatt-Energieriesen "Schwarze Pumpe" im Lausitzer Braunkohlerevier substituieren? Die Fragen häufen sich, denn nicht die weltweit addierten  aller WKA sondern die Leistungsdichten (bezogen auf die Fläche) bestimmen die Funktionalität einer elektrischen Energieversorgung.

Die in dem Lippendorfer Beitrag getätigte Aussage des BWE "Ganz gleich, ob Energie aus Sonne, Wind, Wasser oder Biomasse gewonnen wird, alle Verfahren arbeiten letztendlich energieschonender, als es beim Fördern und beim Verbrennen von Braunkohle möglich ist" muß insofern als unzutreffend hinterfragt werden, daß die genannten Verfahren alle mit einer erheblich geringeren Leistungsdichte als die Energiegewinnung mit Braunkohle arbeiten, die jeweiligen Verhältnisse von Aufwand zu Ertrag bei den Regenerativen entweder erheblich größer, nicht ausreichend oder die Leistungsverfügbarkeit bei Sonne und Wind unzureichend ist und deswegen konventionelle Wärmekraftwerke einspringen müssen. Wilfried Heck 19.10.1999