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Aus dem Leserforum der Aachener Zeitung vom 9.3.2002

Ohne Strahlen und Schadstoffe

Norbert Hürkamp, Veneterstraße 9, 52074 Aachen, ist für Windräder:

Wie gut muss es eigentlich jemanden gehen, der in Mützenich wohnt, und der sich von den Windrädern im etliche Kilometer entfernten Ort Schöneseiffen gestört fühlt?

Doch halt! Anfang dieses Jahre musste im benachbarten Tihange (Belgien) das dortige Atomkraftwerk abgeschaltet werden, weil gleich zwei Träger gebrochen waren. Der Zwischenfall wurde als ernst bezeichnet. Vor gut einer Woche traten dann die Beschäftigten in einen Streik, um auf die erkannten Sicherheitsprobleme des Kraftwerks hinzuweisen. Jetzt stelle man sich nur noch vor, der GAU passiert wirklich - vielleicht auch als Folge eines Anschlag. Der Aachener Raum liegt genau in Hauptwindrichtung von Tihange - hoffen wir, dass es nie passiert! 

Wie toll ist doch dem gegenüber die Windenergie? Keine Strahlung, keine Brennstoffe, keine Schadstoffe.
Mit der heutigen Anlagengeneration kann die Ablösung der Atomkraft in Europa in ein bis zwei Jahrzehnten vollzogen werden. Dafür nehme ich gerne einige zusätzliche Windräder bei mir in der Nähe, in der Eifel und in der Nordsee in Kauf. 



 

Für Geld gibt es auch Tomaten am Nordpol

Prof. Dr. Helmut Alt, Eichelhäherweg 6, 52078 Aachen, kommentiert "Pro und Kontra Windräder" (AZ Nr. 39):

Der Erbauer der ersten Drehstrommaschine, Michael von Dolivo Dobrowolsky (1893), würde sich im Grabe herumdrehen, hätte er in der führenden Zeitung unserer Hochschulstadt mit rund 3.000 Elektrotechnikstudenten gelesen, dass "Drehstrom lediglich durch teure Umspannungen speicherbar sei". Strom ist für Anwendungen der Stromversorgung, bis auf Umweg über Pumpspeicherkraftwerke, leider nicht speicherbar. Daher ist "eine einzige der üblichen 1,5 MW-Anlagen" auch am besten Standort nicht in der Lage 1.500, sondern bestenfalls 750 Vier-Personen-Haushalte mit Strom zu versorgen, aber auch nur dann, wenn der Wind weht. Dieser letzte Absatz fehlt leider grundsätzlich, wenn die "Grünen" über Windenergie reden. 

Zum Vergleich: Die deutsche Steinkohle erfordert 3 Ct/kWh Subvention, die Windenergie 6,6 Ct/kWh. In der Windbranche sind über 30.000 Arbeitsplätze auf dieser Subventionsbasis neu entstanden, für rund 3% des Strombedarfs bei einer jährlichen Subventionsbelastung der Bürger von rd. 1 Mrd. Euro. Bei der Kohle erwirtschaften 46.000 Beschäftigte im Bergbau rd. 26% des Strombedarfs für "nur" jährlich rund 3 Mrd. Euro Subvention. Wenn Herr Priggen (energiepol. Sprecher der Grünen, Red.) sein Ziel, 25% Windenergie, erreichen sollte, liegt das jährliche Subventionsbedarf mindestens doppelt so hoch wie heute bei der Steinkohle. Auf diese Art steuern wir auf ein energiewirtschaftliches Chaos zu, dem dringend Einhalt geboten werden muß. Mit entsprechender Subvention lassen sich auch Tomaten am Nordpol unter Glas anbauen und so Arbeitsplätze schaffen.

Herr Priggen und alle Windfreunde können heute schon im Rahmen eines Mix-Angebotes eines großen deutschen Stromversorgers namens E.ON für ihre private Stromversorgung 100% Windstrom ordern. Man kann nur dringend auffordern, dies auch zu tun und nicht wegen Mehrkosten für diese bevorzugte Energieart "Wind" von jährlich rd. 420 Euro dann in der Praxis doch wieder auf den von Energiefachleuten aufgebauten deutschen Kraftwerksmix zurückzugreifen. Dieser enthält 31% Kernenergie, 26% Steinkohle, 25% Braunkohle, 10% Erdgas, 4% Wasser und nur einen kleinen Rest aus den von den "Grünen" sehr öffentlichkeitswirksam propagierten Energiequellen Müll, Wind und Sonne. Gesinnungsverantwortung sollte sich insbesondere bei Politikern auch in der Handlungsverantwortung zeigen.

 

14.03.2002http://WilfriedHeck.tripod.com