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Windpark auf See in Zeitnot - Stromkabel: Prokon drängt auf Genehmigung

sr Borkum/Leer. Mit ihrer Klagedrohung bringen die Umweltverbände BUND und WWF den Zeitplan für den Offshore-Windpark Borkum-West durcheinander. Der Windpark-Bauherr ProkonNord aus Leer wirft den Verbänden offen vor, "eine Taktik zur generellen Behinderung der Offshore-Windenergie in Deutschland" zu benutzen.

Prokon will im nächsten Jahr mit den Bauarbeiten anfangen, braucht dafür aber die Genehmigung für die Verlegung eines Stromkabels vom Windpark zur Küste und weiter nach Emden. "Seit Monaten hören wir, dass es in ein paar Wochen so weit ist", klagte gestern Prokon-Projektmanager Alexander Klemt.

Bis Mitte März braucht Prokon-Nord die Genehmigung, um den Zeitplan einzuhalten. Die Bezirksregierung sucht eine gerichtsfeste Lösung.

Die Trasse durchs Wattenmeer zwischen Baltrum und Norderney steht so gut wie fest. BUND und WWF haben eine Klage für den Fall angedroht, dass die Stromleitung durchs Watt gelegt wird. Der Umweltverband Nabu schloss sich dieser Haltung nicht an.

Eine Klage ist wahrscheinlich. Offen ist, ob Prokon-Nord bauen darf, wenn eine Klage läuft. Die Bezirksregierung kann den "sofortigen Vollzug" anordnen. Tut sie das nicht, kann sich das Windpark-Projekt um Monate verzögern. Dazu meinte Heyken gestern nur: "Kein Kommentar".
Ostfriesen-Zeitung  02.03.2002


Kommentar von Bernhard Fokken, Ostfriesen-Zeitung  02.03.2002   (S. 10)

Gegen Kabel von Windparks durchs Watt - Ökos gegen Naturstrom

Die Welt ist voller Merkwürdigkeiten.

Da verstehe noch einer die Umweltverbände WWF und BUND, die schon mal vorsorglich mit Klage gegen ein Kabel durchs Watt drohen, das den Strom einst von den Windparks auf See zum Umspannwerk an Land leiten soll. Ökos verhindern Naturstrom - das verstehe, wer mag. Zur Ehre der Umweltfreunde vom Nabu sei gesagt, dass sie diesen Unsinn nicht mitmachen wollen.

Es droht Ähnliches wie beim Sperrwerk: Die Bezirksregierung genehmigt, Verbände klagen, die Bezirksregierung ordnet den sofortigen Vollzug an, so dass gebaut wird. Schließlich kommt es doch zum Prozess, und wenn ein schlauer Jurist, einen Formfehler im Genehmigungsverfahren entdeckt, wird das Projekt eine Weile auf Eis gelegt.

Prokon-Nord, Windpark-Betreiberfirma aus Leer, drängt auf baldige Genehmigung, um im Zeitplan zu bleiben.

Die Zeit drängt auch für Ostfriesland, damit die Emsmündung der Standort für Montage, Erforschung und Versorgung von Offshore-Windanlagen wird. Wirtschaftsministerin Knorre sprach vorgestern deutliche Worte. Sie wartet auf ein Standort-Konzept. Die Konkurrenz, vornehmlich in Cuxhaven, schläft nicht.

Knorre sagte auch, dass die handelnden Unternehmen bestimmen, wo sich der Standort entwickelt. Die Sache ist zu bedeutend, als dass Wirtschaft, Politik und Hochschule nicht alles daran setzten, ein überzeugendes Konzept auf die Beine zu stellen. Ostfriesland hat die einmalige Chance, bei einer international interessanten und zukunftsträchtigen Großtechnik die Nase vorn zu haben. 


Leserbrief des Vogelwarts auf der Insel Memmert bei Juist
Ostfriesen-Zeitung, 05.03.2002  (S. 11)

Eine Hand wäscht die andere

Zum Kommentar "Ökos gegen Naturstrom" (OZ vom 2. März) schreibt Rainer Schopf von Memmert.

Merkwürdig, wenn Naturschützern angelastet wird, dass sie gegen massive Eingriffe in die Natur sind, zumal in einem Nationalpark. In den Satzungen von WWF, BUND, Nabu usw. steht nicht, dass sie sich verpflichten, für die Pfründe der Windmüller einzutreten. Es gibt keine Kenntnisse über die Auswirkungen der Offshore-Anlagen auf die Meeresumwelt, auf Vögel und Meeressäuger. Wie kommt's also, dass der Bau beschlossene Sache ist?

Wissenschaftler, die sich mit dem "Darmstädter Manifest" kritisch mit der Windenergienutzung befassten, stellen fest: Es wird kaum mehr als ein bis zwei Promille der Gesamtenergie durch Windräder gewonnen. Somit ist die Windenergie in den Energie- als auch in den Schadstoffbilanzen von sehr geringer Bedeutung. Der Energieverbrauch steigt in Deutschland zurzeit rund 70 Mal (!) schneller als das Erzeugungspotential der Windenergie. Prof. Hans-Christoph Binswanger schrieb in der FAZ: "Der Nutzen der Windenergie ist gering, der ökologische Schaden dafür um so größer." Sollen sich Naturschützer für die Ausweitung dieses Schadens engagieren?

Dass der Nabu den Kabeltrassen durch den Nationalpark zustimmt, hängt offensichtlich damit zusammen, dass Gefügigkeit von der Bezirks- und Landesregierung belohnt wird. Die Regionalgeschäftsstelle des Nabu, der Gänsetourismus und das Infohaus Dollart wird sicher nicht zufällig aus Landesmitteln und der Nationalparkstiftung finanziert. Eine Hand wäscht die andere, nur werden beide dabei schmutzig. Schamloser Opportunismus auf Kosten naturschutzfachlicher Positionen und Ziele zahlt sich zumindest finanziell aus. Die Natur als Konkursmasse. 
 
 

05.03.2002http://WilfriedHeck.tripod.com