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Klima und Wetter
Klimamodelle kritisch unter die Lupe genommen

Roger Pielke Sr., Professor für Atmosphärenwissenschaften an der Colorado State University, meint, dass in den gängigen Klimamodellen entscheidende Effekte nicht betrachtet würden. Seine Kritik brachte er im Rahmen des elften Symposiums der American Meteorological Society über Globalen Klimawechsel in Long Beach, Calif., an. 

Pielke und seine Kollegen haben die Wirkung von Landschaftsänderungen und Landnutzung durch den Menschen untersucht. Der Eingriff in die Natur verändere das Klima. Besonders Pflanzen oder eben deren Fehlen beeinflusse direkt oder indirekt die Energiebilanz der Erde – und das durch viele verschiedene Effekte. Mit dieser Arbeit stellt Pielke die Computervorhersagen für regionales, nationales und internationales Klima in Frage, weil diese Faktoren bisher nicht einbezogen wurden. "Wenn eine Veränderung der Landnutzung so wichtig ist, wie unsere Ergebnisse vermuten lassen, dann gibt es eine große Unsicherheit im zukünftigen Klima. Es ist nämlich nicht so, dass wir kommende Landschaftsänderungen genau vorhersagen können," meint Pielke. 

Besonders die allgemeinen Zirkulationsmodelle, die regionale und nationale US-Behörden benutzen, sowie das UN-finanzierte Intergovernmental Panel für Klimawandel kritisiert Pielke. Sie untersuchten nur einen kleinen Teil des Problems – Treibhausgase und Aerosole (Partikel in der Luft). Sie würden andere wichtige Klimaeinflussgrößen wie Landnutzungsänderungen und die Zunahme von Kohlenmonoxid als biologischen Effekt außer Acht lassen. Das Ergebnis: Die Spannweite von Klimaänderungen im 21. Jahrhundert sei sicher größer als die im Moment vorhergesagte. "Das heißt natürlich nicht, dass wir uns um die zukünftigen Klimaänderungen nicht zu sorgen brauchen," warnt Pielke. "Statt dessen sollte unsere Arbeit ernsthafte Fragen über unsere Fähigkeit aufwerfen, solche Änderungen überhaupt verlässlich vorherzusagen."

Als Beispiel für einen solchen bisher unbedachten Effekt gibt er an: Die Zunahme an Kohlenmonoxid könnte zusammen mit einer korrespondierenden Zunahme von Pflanzenbewuchs die Verdunstung erhöhen. Dadurch würde mehr Wasser in die Atmosphäre gelangen. Die Verdunstung verbraucht Energie, welche die Region abkühlen könnte. Aus dem Wasserdampf können sich auch Wolken bilden, die die Sonnenstrahlen über dem Gebiet abschirmen und ebenfalls zur Abkühlung beitragen würde. Doch es gibt auch einen Gegeneffekt. Denn Wasserdampf als Treibhausgas hält Sonnenenergie in der Erdatmosphäre und wärmt sie so auf. "Da sieht man einen Prozess zwischen Vegetation und Atmosphäre, den wir nicht vollständig verstehen und einschätzen können," führt Pielke an. 

In den Computermodellen tangiert Pielkes These die globale Energiebilanz, die unter anderem einfallende und reflektierte Sonnenenergie berechnet. Denn abgerodete tropische Wälder, sich ständig vergrößernde Städte und zu Ackerland gemachter Wald oder Wiese können die Bilanz ändern. Denn eine andere Nutzung verändert auch, wie viel Sonnenlicht reflektiert oder absorbiert wird und wie viel Wasser verdampft. "Diese Zusammenhänge sind oftmals sehr komplex, nicht-linear und miteinander gekoppelt. Das macht eine Vorhersage sehr schwierig," gibt Pielke zu bedenken. Vielleicht werde die Fähigkeit der absoluten Vorhersage überschätzt. Er warnte Forscher und Politiker davor, den Eindruck zu erwecken, die Natur sei mit dem Computer zu berechnen. 

[Quelle: Cornelia Pretzer und Eurekalert] 
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News-Ticker < für Wilfried Heck bereitgestellte Meldung vom 13.1.2000