Heinrich Röck
Klima und Politik

Ein Journalist, ein Pfarrer und ein Physiker sitzen in einem Zug, der
durch Schottland fährt. Auf einer Bergwiese beobachten sie ein schwarzes
Schaf. Der Journalist sagt: Alle Schafe sind schwarz. Der Pfarrer spricht:
Es gibt schwarze Schafe in Schottland. Der Physiker stellt fest: Für
die Gesamtheit von uns Dreien existiert in Schottland mindestens ein Schaf,
das auf einer Seite schwarz ist. Michael Hagner stellte fest, dass fast
alles Wissen vorläufig und fast nichts unumstößlich ist.
Die irgendwann etablierte Erkenntnis und die Fülle des Wissens (die
sich durchaus als unvollständig erweisen kann) sollten sich nicht
als moralische und kulturelle Autorität aufspielen. An gleicher Stelle
(NZZ 12./13.5. 2001, S.50) zitiert er Robert Oppenheimer: Bei jeder Untersuchung
und Erweiterung des Wissens sind wir in eine Handlung verwickelt; bei jeder
Handlung in eine Wahl und bei jeder Wahl in einen Verlust, den Verlust
dessen, was wir nicht getan haben. Oppenheimer warnte davor, totale Aussagen
zu treffen, die das Wort „alles“ ohne nähere Bestimmung enthalten.
Zum Bild: Die Menge unserer Erkenntnisse nimmt mit stürmischen
Wachstum zu. Jede Entdeckung provoziert neue Fragen. Je mehr wir wissen,
desto mehr wissen wir nicht. Man kann sehr beeindruckt sein vom Umfang
und der Zunahme unserer gesicherten Erkenntnisse, aber gleichzeitig wird
das Ausmaß der unbekannten, unerforschten Bereiche um so deutlicher
erkennbar. Schon Pascal verwendete hierfür das Gleichnis der wachsenden
Wissenskugel, die im unendlichen Raum des Unwissens schwebt. Das Kugelvolumen
stellt unser wachsendes Wissen dar. Die Kugeloberfläche ist die Grenze
zum Unerforschten und repräsentiert unsere mit dem Wissen wachsende
Erkenntnis über unser Unwissen. Das Bild (52x70cm) hat Herr W.A. Angerer
der Jüngere gemalt.
Zum Autor: Heinrich Röck, 1928 in Gladenbach/Hessen geboren,
studierte Chemie in Darmstadt und promovierte 1955 in Göttingen zu
einem Thema aus der Physikalischen Chemie. 1957 und 1960 erschienen zwei
Bücher aus seiner Feder: einmal "Ausgewählte moderne Trennungsverfahren
zur Reinigung organischer Stoffe" und dann "Destillation im Laboratorium,
extraktive und azeotrope Destillation". Von 1956 bis 1989 war er bei der
SKW Trostberg AG als Mitarbeiter in der Forschung und
Entwicklung, als Werkleiter und seit 1966 als Mitglied des Vorstands tätig.
Seine durch den Ruhestand gewonnene Zeit widmet Dr. Röck u.a. Umweltproblemen;
aus dieser Beschäftigung heraus entstand auch das 1998 erschienene
Buch "Eiswissen und Lernkurve".
Anschrift: Dr. H. Röck, Traunsteinerstraße 9, D-83308
Trostberg/Obb.
Heinrich Röck
Klima und Politik*
Abstract
Modern politicians use gloomy model-prognosis of climate for their
profile-building and offer to save the world if the constituency follows
their well-meaning policies. Politics work by consensus. Science is the
critical method of continuous search for errors in what we believe to be
established knowledge. Numerical models of the climate-system do not represent
the true thing; they are a modern form of hypothesis about the working
of this open, natural system and not susceptible
to proof. Doubts about the hypothetical radiative forcing of CO2 make the
anthropogenic causation of global, catastrophical warming harder and harder
to believe. Stringent policies based on large reductions of CO2-emissions
are in danger of putting vast funds to ineffective use. „Protection of
climate“ by reduction of CO2-emissions might be wishful thinking. Other
benefits from more efficient, slower, cleaner use of fossil energies are
beyond doubt.
Zusammenfassung
Moderne Politiker nutzen düstere Modellprognosen des Klimas um
ihren Aufmerksamkeitswert zu steigern. Sie bieten an, die Welt zu retten,
wenn die Wählerschaft ihren gut gemeinten Vorschlägen folgt.
Politik wird mit zustimmenden Mehrheiten gemacht. Wissenschaft ist die
kritische Methode der Suche nach Fehlern im etablierten Stand der Kenntnisse.
Numerische Modelle des Klimasystems repräsentieren nicht das tatsächliche
Geschehen; Sie sind eine moderne Form der Hypothese über das Funktionieren
dieses offenen, natürlichen Systems. Zweifel am hypothetischen Treibhauseffekt
des CO2 lassen die anthropogene Verursachung einer katastrophalen Erwärmung
als unglaubwürdig erscheinen. Einschneidende Maßnahmen zur Reduzierung
anthropogener CO2-Emissionen könnten sich als ineffiziente Fehlinvestitionen
herausstellen, weil Klimaschutz eher Wunschdenken als planbares Handeln
ist. Andere Vorteile eines sparsameren Verbrauchs fossiler Energien sind
unbezweifelbar.
* Mit Ergänzungen aus "Strukturen der
Wirklichkeit, 2. Jahrg. Nr. 1, 2001, S. 41 - 54", ISSN 1616-4660. Herausgeber
und Verlag "Kreativkreis Erlangen e.V."
Wissenschaft
Mit Hinweisen wie „Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben,
dass...“ oder „Als Leiter einer wissenschaftlichen Behörde halte ich
es für klug zu meinen, dass...“ oder „ in Übereinstimmung
mit wissenschaftlichen Gremien“ wird die ungebrochene Autorität der
Wissenschaft in absichtsvoll einschüchternder Weise beansprucht, um
politische Maßnahmen unwiderlegbar zu begründen. Das ist heute
gang und gäbe aber nur in seltenen Fällen berechtigt oder richtig.
Und als unwiderlegbar darf keine wissenschaftliche Aussage behandelt werden.
Was also ist Wissenschaft? Wissenschaft im strengen Sinn ist gesicherte
Erkenntnis. Ein dauernder Zyklus der Beobachtung, Messung, Erklärung,
Überprüfung ist unabdingbar, um gesicherte Erkenntnis zu gewinnen
und zu stabilisieren. „Gesichert“ bedeutet, dass diese Erkenntnis kritisch
erarbeitet wurde und experimentell jederzeit und überall von unabhängigen
Dritten überprüft wurde und wird. Wissenschaft muss sich immer
wieder dem nie endenden systematischen Hinterfragen und kritischem Querdenken
stellen (vgl. Markl). Denn unser heutiges Wissen ist vielfach nur der Stand
des gegenwärtigen Irrtums (Stadlbauer).
Die Forderung nach gesicherter Erkenntnis ist eine Vorsichtsmaßnahme
gegen die Verstrickung des Wissenschaftlers in die zeitgenössische
Kultur und Politik mit ihren jeweilig herrschenden Vorurteilen und Moden.
Naturwissenschaft muss außerhalb jeglicher political correctness
stattfinden.
Wissenschaft muss Berufung sein, nicht Beschäftigung. Wissenschaftler
sollten nichts behaupten, was sie nicht zweifelsfrei mit Beobachtungen
oder theoretischen, nachprüfbaren Rechnungen belegen können.
Hier lassen sich manche, von Politik und Öffentlichkeit bedrängt,
zu Aussagen verleiten, die wissenschaftlich nicht haltbar sind. Solche,
bei weitem nicht alle, Wissenschaftler sind eher der Politik bzw. dem Ökoaktivismus
(advocacy) zuzuordnen denn der nüchternen Forschung. Sie fühlen
sich als Forscher - Priester - Politiker, vertreten die Interessen ihrer
Gruppen und behaupten für die Menschheit tätig zu sein (Kaiser).
Die wissenschaftliche Beurteilung von Problemen muss wertfrei erfolgen.
Die Menge unserer Erkenntnisse nimmt mit stürmischem Wachstum zu.
Maddox (1999) schrieb: „Jede Entdeckung provoziert neue Fragen. Je mehr
wir wissen, desto mehr wissen wir nicht.“ Maddox meint, dass man zwar sehr
beeindruckt sein kann vom Umfang und der Zunahme unserer gesicherten Erkenntnisse,
dass aber gleichzeitig das Ausmaß der unbekannten, unerforschten
Bereiche um so deutlicher erkennbar wird. Schon Pascal verwendete hierfür
das Gleichnis der wachsenden Wissenskugel, die im unendlichen Raum des
Unwissens schwebt. Das Kugelvolumen stellt unser wachsendes Wissen dar.
Die Kugeloberfläche ist die Grenze zum Unerforschten und repräsentiert
unsere mit dem Wissen wachsende Erkenntnis über unser Unwissen. Wir
Menschen sind nicht fähig, endgültiges, vollständiges, unanfechtbares
oder gar göttliches Wissen zu erwerben.
Wetter, Witterung, Klima
Unser irdisches Wissen über Klima wurde und wird vom Intergovernmental
Panel on Climate Change (IPCC) zusammengestellt, einem von dem United Nations
Environmental Program (UNEP) und der World Meteorological Organization
(WMO) getragenen Panel.
Klima ist ein alltäglich gebrauchtes Wort mit nicht sehr scharfer
begrifflicher Abgrenzung. Es steht am Ende der Wortreihe „Wetter – Witterung
– Klima“. Wetter ist das chaotische, kurzfristig variable Geschehen in
der Atmosphäre, das wir heute, stündlich, täglich verspüren.
Wetter ist durch seine messbaren Parameter definiert, wie Temperatur, Luftdruck,
Windstärke und -richtung, Luftfeuchtigkeit, Wolken, Aerosole, u.a.m.
Mit Witterung bezeichnen wir das kumulierte, statistisch gemittelte Geschehen
von mehreren Tagen, Wochen, Monaten.
Das Wort Klima wendet man auf die statistische Betrachtung von Wetter
und Witterung in Zeiträumen von 20 bis 30 Jahren an. Dann kommen neben
den schon genannten Parametern der Ozean und die Ozeanströmungen,
der Kreislauf des Kohlenstoffs bzw. des CO2, die Parameter der Erdbahn,
die Änderungen der Vulkantätigkeit und der Sonnenaktivität
sowie andere Faktoren mit ins Spiel. Wetter, Witterung und Klima sind ortsabhängig.
Durch Mittelung über Zeit und Raum werden statistische Durchschnitte
gebildet, um mit einer oder möglichst wenigen Zahlen charakteristische
Aussagen machen zu können.
Die mittlere Tagestemperatur wird in verschiedenen Ländern nach
verschiedenen Vorschriften berechnet. Mangels anderer Daten benutzt man
solche Standard-Temperaturen, um das Weltklima durch Mittelung über
alle Messstellen, d.h. über die vielgestaltige Oberfläche unseres
Planeten, und über Jahre, Jahrzehnte, von -60 bis +50 °C zu charakterisieren
(vgl. Bild 1). Auf besiedeltem Land ist die Dichte der Messpunkte befriedigend,
auch auf häufig befahrenen Schifffahrtswegen. Die Wüsten der
Kontinente und der Ozeane sind aber erst seit wenigen Jahren und mit wenigen
Punkten im Messnetz repräsentiert. Von Satelliten aus ist seit 20
Jahren eine umfassende Temperaturmessung der Atmosphäre von 1 bis
5 km Höhe möglich, die einen geringeren Temperaturanstieg im
Vergleich zu den Messungen am Boden ergab. Daraus resultiert für das
nicht flächendeckende Bodenmessnetz eine Korrektur des Trends um 0,04
°C pro Dekade nach unten, (Santer).
Das einzig Konstante am Wetter ist seine enorme Variabilität. Verabredungsgemäß
ist Klima die über Raum und Zeit verdichtete, 30-jährige Mittelung
dieser enormen Variabilität. Es ist mithin eine langfristige, standardisierte,
statistische, konstruierte Aussage über das oft sehr hautnah erfahrbare,
kurzfristig enorm variable Wetter. Dieses Klima ist des Menschen Geschöpf;
die Globaltemperatur ist ein Maximum an verfremdender Abstraktion (vgl.
Bild 1). Klimapolitik erhebt das Konstrukt der Globaltemperatur zu einem
Richtwert, den es zu schützen gelte (Thüne). Obwohl wir eine
gute Kenntnis der kurzfristigen Wetterentwicklung haben, fehlt uns weitgehend
das Verständnis für die längerfristige Klimaentwicklung
(Ruelle).
Bild 1. Änderung der Globaltemperaturen 1861 bis 1995 relativ zum
Durchschnitt 1951 bis 1980 (Quelle: IPCC 1990, ergänzt)
Bild 2. Rekonstruktion des Temperaturverlaufs der letzten 10.000 Jahre,
100-jährige Glättung (nach Böhm).
Seit 10.000 Jahren ein Auf und Ab der Globaltemperatur ohne Änderung
der CO2-Konzentration der Luft. Die nach verschiedenen Methoden bestimmten
100-jährigen Mittel der Globaltemperaturen zeigt Bild 2. Mit dieser
„geglätteten“ Kurve dürfen wieder nur 100-jährig geglättete
aktuelle oder prognostizierte Werte verglichen werden.
Politik, Umweltpolitik, Meinungen
Das Ziel der Politik ist die Verwirklichung des Gemeinwohls. Politiker
streben an die Macht, erhalten sich die Macht und engagieren sich für
die Realisierung ihrer Ziele.
Die Umweltprobleme des 20. Jahrhunderts wurden anfangs gering bewertet
im Vergleich zu anderen Zielsetzungen (vgl. Radkau). Das war der Anlass
für die Etablierung von neuen Parteien und Nicht-Regierungsorganisationen,
die sich den Umweltschutz auf ihre Fahne schrieben und die hierin die Chance
sahen und sehen, den etablierten Parteien die Macht zu entwinden mit der
Absicht, es besser zu machen. Heute will man ökonomische, ökologische
und soziale Ziele im Sinn der Agenda 21 abwägend und langfristig optimieren
und realisieren.
Umweltpolitik erfordert in aller Breite die Mitwirkung der Naturwissenschaften
zur Charakterisierung dessen, was Umwelt eigentlich in der Vergangenheit
war, was sie heute ist, und was sie in Zukunft sein wird, und wie sich
unser umweltpolitisches Tun positiv und negativ auswirken wird.
Politik wird mit Meinungen gemacht. Schon vor 1900 Jahren stellte der
Philosoph Epiktet fest, was die Menschen politisch umtreibt und bewegt:
„Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen von den Dingen beunruhigen
den Menschen.“ Oder modern ausgedrückt: Nicht die naturwissenschaftlichen
Fakten, sondern die hierüber verbreiteten medialen Meinungen versetzen
uns in Unruhe.
Eine in unserer Zeit formulierte Erweiterung der Erkenntnis des antiken
Weisen lautet, „dass nun auch Meinungen als Daten anerkannt sind; oder
anders gesagt, dass die Fakten nicht das Entscheidende sind, sondern die
Vorstellung, die die Menschen von den Fakten haben; und dies heißt
doch, dass subjektive Anschauungen objektive Tatbestände schaffen“.
Diese für uns gar nicht schmeichelhafte Feststellung äußerte
Marion Gräfin Dönhoff. In der kommerziellen Werbung und in der
politischen Propaganda muss man zur Kenntnis nehmen, dass subjektive Auffassungen
sich zu objektiven Tatbeständen verhärten. Für die Naturwissenschaften
und für die Umweltpolitik ist dieser Mechanismus von Datenbeschaffung
vehement abzulehnen. Wir brauchen gesicherte Erkenntnisse, um vernünftige
Politik zu betreiben. Die Linien der Politik werden mit mehrheitlichen
Beschlüssen gefunden und abgesichert. Gesicherte naturwissenschaftliche
Erkenntnis ist nicht durch die Meinung von Mehrheiten zu gewinnen.
Maddox (1996) hat das IPCC und dessen Chairman J. Houghton
scharf kritisiert wegen der Verwendung der politischen Methodik des Konsensus
in der Klimawissenschaft. Die Politik muss sich hüten, mit dieser
Methodik in die Wissenschaft einzudringen.
Umweltpolitiker wollen Vorsorge auch dann betreiben, wenn eine gesicherte
Erkenntnis über vermutete Gefahren noch gar nicht vorliegt. Die anthropogene
Klimakatastrophe wird als eine neue ‘Sünde der Menschheit’ medial
beschworen, und Gegenmaßnahmen sollen eingeleitet werden, die nur
dann unterbleiben dürfen, wenn die Katastrophe mit an ‘Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit’ ausgeschlossen werden kann. „Können
Sie ausschließen, dass...“ ist eine beliebte Frage bei der Diskussion
von komplexen Gefahren mit geringer bis fehlender Eintrittswahrscheinlichkeit
(vgl. Böttcher; Luhmann).
Wissenschaftler, Politiker
Die Menschen des Mittelalters glaubten, dass die Erde der Mittelpunkt
der Welt sei, und dass die Sonne die Erde umkreise. Geozentrische Modelle
mit immer komplizierteren unphysikalischen Korrekturgliedern (Epizyklen,
Nebenkreise, Excenter) waren in der Lage, die immer genauer beobachteten
Planetenbahnen in Rück- und Vorschau befriedigend zu erklären.
Dies war ein notwendiges, aber kein hinreichendes Kriterium für die
Richtigkeit des Modells. Man betrachtete dies als die Validierung (Bestätigung)
des geozentrischen Weltmodells, das von damals höchstzuständiger
und unkritischer Seite zu einem Tatbestand erhoben worden war. Unser heutiges,
heliozentrisches Weltbild haben Kopernikus, Kepler und Galilei erstritten.
Solche Vorgänge begründeten die modernen Naturwissenschaften:
Nur gesicherte Erkenntnis, nicht die Meinung eines oder der als unwiderlegbar
betrachtete Konsensus mehrerer Experten in Konzilen und Panels darf Anspruch
darauf erheben, Wissenschaft zu sein.
Umweltpolitik ohne gesicherte Erkenntnis ist schnell und leicht zu machen
mit kraftvollen Schlagworten, die komplexe, vernetzte Sachverhalte auf
einfache lineare Ursache-Wirkung-Beziehungen zurückführen. Das
Gute und das Böse als Dualität, als Janus-Gesicht, das wird verstanden.
Ökologische Probleme sind meist das Gegenteil davon, sie sind nichtlinear,
hoch vernetzt und schwer verständlich. Radikale Vereinfachung und
emotionale Einfärbung liefern dann die griffigen Formulierungen wie
Klima-Katastrophe, Klimafrevler, Luftverpestung, Zerstörung der Atmosphäre,
Dürre, Überschwemmung, Hitzewelle; oder wie „Kohlendioxid, das
Klimagas, der Klimakiller, das Klimagift“; oder der „Count down läuft,
die Zeitbombe tickt, es ist fünf Minuten vor zwölf“. Solche Wortwahl
ist eine apokalyptische Drohgebärde mit der Absicht: „Erschrick sie
zu Tode, und sie werden Geld spenden, Vermögen stiften, Forschung
finanzieren, Ökosteuern akzeptieren und – vielleicht, vielleicht –
sogar ihre Lebensweise ändern“. Luhmann meint, dass wir erschreckt
werden müssen, um unsere Affekte die rationalistischen Zweifel überwinden
zu lassen und wahr zu nehmen, was nicht wissenschaftlich, sondern nur gefühlsmäßig
erkennbar ist, nämlich die Sünde der anthropogenen Klimakatastrophe,
ausgelöst durch die Nutzung fossiler Energieträger. Luhmanns
Schilderung der industriellen Revolution folgt absichtsvoll einer klimapolitischen
Tendenz. Dagegen präsentiert Sieferle eine historische Sicht des Übergangs
vom flächengebundenen dezentralen Solarenergiesystem unserer Vorfahren
zum zentralisierten, auf der Nutzung fossiler Energieträger beruhenden
Energiesystem der Gegenwart, von der agrarischen, konservativen Zivilisation
zur dynamischen, innovativen Industriegesellschaft und schließlich
zu einem postindustriellen Hitec-Solarenergiesystem in ferner Zukunft.
Der amerikanische Philosoph Mencken beschrieb praktische und praktizierte
Politik als die Methode, die Bevölkerung mit herbeigeredeten Gespenstern
zu erschrecken, sie kontinuierlich in diesem Alarmzustand zu erhalten und
anzubieten, die Gespenster zu vertreiben, falls man sie, die richtigen
Politiker, wähle. Mencken überzeichnete provokativ. Im Fall der
Klimapolitik lässt der moderne Politiker die Gespenster modellieren
und mit dem Computer die erschreckende Zukunft berechnen, in unserem Fall
die zukünftige anthropogene Klimakatastrophe. Der Politiker profiliert
sich dann mit der beabsichtigten Rettung des Klimas, was ihm über
Wahlen zur Macht verhilft.
Der Propagandaerfolg ist mit drei altbewährten Regeln zu sichern:
ständige Wiederholung, lineare Vereinfachung und gefühlsmäßige
Steigerung. Und nun auch mit Bildern in Printmedien oder im Fernsehen.
Mit dieser Methodik werden zu ökologischen Problemen Meinungen
gemacht, die naturwissenschaftlich unhaltbar sind. Aber wenn nur 3% der
Bürger die Irreführung bemerken, dann kann sie für 97% das
gegebenenfalls wahlwirksame Faktum sein. Tocqueville meinte im 19. Jahrhundert:
„Das Publikum wird eher die einfache Lüge als die komplizierte Wahrheit
glauben.“
Konkret sagte der Klimaforscher Stephen Schneider im Oktober 1989 in
einem Interview: „Um die öffentliche Aufmerksamkeit und die Phantasie
der Medien zu erregen, müssen die Klimatologen Schreckensszenarien
verbreiten, vereinfachte dramatische Statements abgeben und die Zweifel,
die man haben könnte, nicht erwähnen. Jeder von uns muss selbst
über die richtige Balance zwischen Effektivität und Ehrlichkeit
entscheiden“. Schneider liegt mit seiner Feststellung auf der Linie eines
Strategiepapiers der Kernforschungs-Anstalt (KFA) Jülich vom Oktober
1988 zur Klimapolitik. Dort heißt es: „Ausschlaggebend für eine
Veränderung der öffentlichen Meinung sind Informationen, die
abgegeben von Primärkommunikatoren wie Wissenschaftlern, eine bestimmte
Signalstärke überschreiten. Durchdringend wird dieses Signal
nur dann sein, wenn es sich populärer Begriffe und Denkmuster bedient,
die im Alltagsbewusstsein der Menschen einen Platz haben“.
Im gleichen Strategiepapier steht geschrieben: „Auch wenn es heute noch
nicht möglich ist, einen strengen wissenschaftlichen Beweis über
das Eintreten eines Treibhauseffekts zu führen, darf das die Politik
nicht lähmen. Sie muss auf Basis unvollständigen Wissens handeln.
Beispielhaft ist die Volkswirtschaftslehre, die – obwohl keinesfalls beweisbarer
als die Ergebnisse der Klimaforschung und häufig auf umstrittenen
Fundamenten aufgebaut – der Politik als Richtschnur dient“. Sowohl Politiker
als auch Volkswirte nahmen sich das zu Herzen: Man dürfe nicht warten,
bis die letzten Zweifel der Wissenschaft ausgeräumt seien; man müsse
jetzt Vorsorgemaßnahmen treffen, um das Schlimmste zu verhindern.
Wenn aber das anthropogene CO2 dafür nicht verantwortlich ist, dann
sind CO2-Minderungsmaßnahmen keine klimatische Abhilfe, und das Geld
dafür wird an anderer Stelle fehlen.
Der Begriff bzw. das Konstrukt der globalen, jährlichen Durchschnittstemperatur
ist im Alltagsbewusstsein nicht präsent. Das Denkmuster der Sintflut
ist dagegen jedem vertraut. Mit Bildern und Berichten von Extrem-Ereignissen
des Wetterablaufs kann man die Öffentlichkeit erschrecken und aufrütteln;
Politik und Kirchen taten es seit Jahrhunderten.
Die Grußworte des Schirmherren einer Informationsveranstaltung
(Febr. 2000) zum Thema „Wie Sie durch Reduktion von Treibhausgasen Geld
verdienen“ (handelbare Emissionsrechte) enthalten folgerichtig eine Aufzählung
von „Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere die Lawinenkatastrophe
in den Ötztaler Alpen, das Pfingsthochwasser sowie die Orkanböen
am Weihnachtsfest“ (alles in 1999).
Prof. H. Graßl, vormals Leiter des Klimaforschungsprogramms der
UNO, sagte 1994 in einem Interview: „Von wissenschaftlicher Seite ist der
Indizienprozess in Sachen Treibhauseffekt gelaufen, ist der Schuldspruch
gefällt. Es geht jetzt nicht mehr um weitere Beweise, sondern einzig
darum, das Strafmaß um einiges zu mildern. Die globalen Mitteltemperaturen
steigen innerhalb der nächsten Jahrzehnte um ein bis zwei Grad. Jede
globale Änderung einer Klimagröße, also auch der mittleren
Temperatur, erzwingt an fast jedem Ort der Erde neue Wetterextreme. Dann
kommt es da zu Überschwemmungen, dort zu Dürren und anderenorts
zu Stürmen, wie man sie vorher nicht gekannt hat“. Dies ist ein Horrorskop.
Solche Aussagen zu zukünftigen Wetterextremen befolgen die Regeln
für wirksame Öffentlichkeitsarbeit und stehen im Gegensatz zu
den einschlägigen Feststellungen des IPCC aus den Jahren 1990 und
1995. Im Band 2 des letzteren Berichts heißt es u.a.: „Es ist unsicher,
ob sich Extremereignisse nach Intensität und Häufigkeit ändern
werden. ... Einige Mitarbeiter in der Versicherungsindustrie erkennen einen
gegenwärtigen Trend einer größeren Häufigkeit und
Heftigkeit klimatischer Ereignisse. Die Untersuchung der meteorologischen
Daten bestätigt diese Auffassung nicht“, was neuerdings von Bengtson
bekräftigt wurde.
Die Vergangenheit zeigte seit 1900 keine Auffälligkeiten. Die Frequenz
und Stärke zukünftiger Wetterextreme ist nicht vorhersehbar.
Aber: „Die gezielte Fehlinterpretation von Wetterextremen im Dienste
einer vermeintlich guten Sache – Umwelt- und Klimaschutz – kommt durchaus
vor und ist eine Vorgehensweise, an die auch in naturwissenschaftlichen
Kreisen gedacht wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Monopolstellung
missbraucht wird“. Das schrieben v. Storch u. Stehr 1993. Sie meinen, dass
diese Methodik Erfolg hat, weil das Klimaproblem für weite Teile der
Gesellschaft nicht nachvollziehbar ist, vgl. v. Storch et al. (1998).
Forschung wird von der Politik nicht unwesentlich gefördert, finanziert,
gesteuert; allzumal naturwissenschaftliche Grundlagenforschung, wozu die
Klimaforschung gehört. Forschung soll nach dem Willen der Geldgeber
und der Forschenden sozial relevant sein, die Lebensqualität verbessern
und Bedrohungen unseres Lebens erkennen und vermeiden helfen. Ein Institutsdirektor,
der einen neuen Großcomputer beantragt, wird im Antrag darauf hinweisen,
dass er damit die heraufziehende anthropogene Warmzeit und ihre katastrophalen
Folgen dingfest machen kann, noch besser und genauer als mit der alten
Maschine. Der Politiker baut den Antrag ins Budget ein und erwartet vom
Klimaforscher die ihn in seinem Machtstreben stützenden Ergebnisse.
Es wäre fast übermenschlich, wenn bei solchen Abläufen nur
gesicherte Erkenntnis das Resultat wäre. Oder wenn die Politiker das
als erfolgreiche Forschung anerkennen würden, was ihren Intentionen
– das Klima und uns alle zu schützen, zu retten – nicht entspräche.
Ein Beispiel beschreibt Thielbeer: Der niedersächsische Umweltminister
Jüttner kritisierte Mitarbeiter von hannoveranischen Bundes- und Landesinstituten
wegen ihres ihm nicht genehmen Buchs „Klimafakten“ (siehe Berner und Streif).
- Haben die Umweltpolitiker die Klimamodellierer zu ihren Gefangenen gemacht?
Heutzutage lohnt es sich für Forscher allemal, in ihren Budgetanträgen
einen politisch korrekten Bezug zum Klimawandel einzubauen.
Zur Wechselwirkung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, zum Konflikt
zwischen Wissen und Macht, zwischen Wahrheit und Interesse haben Collins
u. Pinch Fallbeispiele zusammengetragen und analysiert. Ihr Fazit: Der
Anspruch auf endgültige Wahrheit und letzte Gewissheit sei verdecktes
Machtstreben, wie es früher die Berufung auf die Religion war.
Klimasorge, Klimaschutz, Klimamacher
Das tägliche, physikalisch fassbare Wetter und das Konstrukt Globalklima
sind in steter irreversibler Veränderung. Wetter und Klima sind Nichtgleichgewichts-Zustände.
Die Debatte über Klimawandel und Klimaschutz erfolgt weitgehend ohne
die Basis gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnis, vielmehr eher auf
ideologisch-politischer Basis. Wir haben zu wenig gesichertes Wissen über
die Vergangenheit und den Ist-Zustand von Klima. Und noch weniger wissen
wir von seiner zukünftigen Entwicklung. Trotzdem sind wir besorgt,
dass es wegen unseres Lebens, unseres Wirtschaftens global einige Celsiusgrade
wärmer werden könnte, und dass dies in einer Klimakatastrophe
enden wird.
Für Politiker bietet die Unheilsvermutung eine wunderbare Gelegenheit,
dem Bürger anzubieten, die drohende anthropogene Klima-katastrophe
abzuwenden. So kam der Klimaschutz in die Welt, der darauf beruht, zu meinen,
wenn die Menschheit durch ihre Emissionen das Klima erwärmen kann,
dann muss die Menschheit auch das Klima wieder abkühlen können.
Eine typische Machermentalität: Wir machen, schützen und steuern
das Konstrukt Globalklima.
Wie machen wir Klima? Mit dem seit etwa hundert Jahren diskutierten
anthropogenen Treibhauseffekt des CO2 aus der Verbrennung fossiler Energieträger.
Diese ist der wesentliche Lieferant von Energie für die industriellen
Aktivitäten der Menschheit, was wiederum den Wohlstand der Industrieländer
begründet. Und dieses anthropogene CO2 des Industriezeitalters wird
als Klimakiller und Klimagift verteufelt, obwohl das Biomolekül Kohlendioxid,
neben Wasser und der Strahlung der Sonne, die dritte Hauptkomponente der
Photosynthese ist, die uns alle erhält. Seit 1860 sind die globalen
CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger von 0,1
auf 6 Gigatonnen C pro Jahr in 1990 gestiegen (vgl. a. Bild 5 S.11). Im
gleichen Zeitraum stieg die globale gemittelte Temperatur an der Erdoberfläche
um rund 0,6 °C an; der größere Teil des Anstiegs entfällt
auf die Jahre von 1895 bis 1940 (vgl. a. Bild 1).
Wer die Menschheit und das Klima retten will, der formuliert: „Die CO2-Emissionen
der Menschheit haben seit Beginn der Industrialisierung die Welttemperatur
erhöht und das Globalklima verändert“. So schafft man die Basis
für die Klimaschutzpolitik und benennt auch den Schuldigen, obwohl
die CO2-Emissionen bis 1940 noch relativ gering waren und damit andere
Ursachen nicht unwahrscheinlich sind, z.B. die Sonne im Zusammenwirken
mit Wolken (vgl. Marsh und Svensmark; Charlson et al.; Udelhofen und Cess;
Calder; Solanki et al.), oder Aerosole, insbes. Russ (vgl. Andreae (1996
und 2001); Charlson und Heintzenberg).
Was hat IPCC 1995 dazu gesagt? Der damalige Konsens der Wissenschaftler
lautet: „Unsere Studien legen nahe, dass menschliche Aktivitäten einen
feststellbaren Einfluss auf das globale Klima gehabt hatten, aber sie können
keine eindeutige Verbindung zwischen anthropogenen Einwirkungen und Klimaänderungen
herstellen“. Über zwei weitere Stufen der zusammenfassenden Verkürzung
gelangte dieser Konsensus in das Vorwort des Vorsitzenden: „Beobachtungen
legen einen erkennbaren menschlichen Einfluss auf das globale Klima nahe“.
Einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden war der britische Wissenschaftler
Sir John Houghton, der am 10.9.1995 im Sunday Telegraph (siehe Thompson)
die Meinung äußerte: „... dass die uns nun bald heimsuchenden
Katastrophen als göttliche Strafen anzusehen seien“. Houghton, Priester?
Strafen, wofür? Vermutlich für die Industrialisierung, denn das
IPCC benutzt als klimatologischen Zeitmaßstab oft und gern ‘since
industrialization’. Und Abweichungen von frei wählbaren Mittelwerten
bezeichnet das IPCC als ‘anomalies’.
Die weitere zielgerichtete Verdichtung der Aussage des IPCC 1995 nahmen
dann die Politiker, die Medien, die Umweltorganisationen, Gewerkschaften,
Versicherungen und Kirchen vor bis hin zu der im Trend liegenden Fassung:
„Wissenschaftliche Forschungsergebnisse haben zu der Gewissheit geführt:
Die Erdatmosphäre wird durch menschliche Einwirkungen wärmer
und wärmer.“ (vgl. Petition.) Das mag politisch korrekt sein, wissenschaftlich
ist es falsch.
Ein Statusbericht des IPCC (vgl. Barnett, Forscher) aus dem Jahr 1999
kann die vermuteten anthropogenen Anteile an der beobachteten Zunahme der
globalen Temperatur während der letzten 50 Jahre noch immer nicht
beziffern: „Recent changes in global climate inferred from surface air
temperatures are likely not due solely to natural causes. At present it
is not possible to make a very confident statement about the relative contributions
of specific natural and anthropogenic forcings to observed climate change.“
So ähnlich hat dies das IPCC auch schon 1990 gesehen. IPPC 2001, Bd.1,
S.61 formuliert politisch: “In the light of new evidence and taking into
account the remaining uncertainties, most of the observed warming over
the last 50 years is likely (66 to 90%) to have been due to the increase
in greenhouse gas concentrations“.
Der Chef von UNEP, Umweltpolitiker Klaus Töpfer, erkannte am 16.4.2000
(Talkshow ARD) an der vermeintlichen Zunahme extremer Wetterereignisse
die Vorboten der anthropogenen Klimakatastrophe. Die Umweltaktivisten mobilisieren
nun Megastars (Prominent durch Unwissen, reich beschenkt mit Aufmerksamkeit)
als Kommunikatoren ihrer Anliegen. Der Schauspieler Leonardo DiCaprio schrieb
zum Earth Day in der April-May 2000 Sonderausgabe von Time über: „climate
changes that will cause more severe typhoons, hurricanes and floods“. Weder
Herr Töpfer noch Mr. DiCaprio haben den IPCC-Bericht 1995, Bd. 2,
gelesen, beide befolgen aber die Regeln für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit
mit symbolträchtigen Bildern. Die Politik wurde bereits zum Showbusiness
– droht dieses Schicksal nun auch der Wissenschaft? - Die Deutsche Meteorologische
Gesellschaft schrieb am 26.3.2001, dass systematische und signifikante
Trends von Extremereignissen im 20. Jahrhundert kaum erkennbar sind.
Klimamodelle und Klimaprognosen
Oreskes, Shrader-Frechette u. Belitz äußerten sich 1994
als Geowissenschaftler und Philosophen zur Bedeutung von computergestützten
numerischen Modellen in den Geowissenschaften: „Der Nachweis der Schlüssigkeit
numerischer Modelle natürlicher Systeme ist unmöglich, weil natürliche
Systeme nie geschlossen sind, und weil Modellergebnisse nie eindeutig sind.
Modelle können bestätigt werden durch die Demonstration von Übereinstimmung
zwischen Beobachtung und Vorhersage, aber diese Übereinstimmung ist
inhärent unvollständig. Die vollkommene Bestätigung ist
logischerweise unmöglich infolge des unvollkommenen Verständnisses
der Naturphänomene. Der Wert der Vorhersagen aufgrund der Modellierungen
ist immer zu bezweifeln; ihr primärer Wert ist heuristischer Natur.
Wenn Modellergebnisse mit heutigen und vergangenen Beobachtungen übereinstimmen,
dann ist das kein Beweis für die Richtigkeit dieses Modells oder von
auf diesem Modell basierenden Prognosen. Numerische Modelle sind eine Form
der hochkomplexen wissenschaftlichen Hypothese; sie sind keine gesicherte
Erkenntnis, die von jedermann und jederzeit durch das Experiment überprüft
werden könnte“.
Nach Jaworowski sind computerbasierte Klimamodelle in mathematische
Form gebrachte Meinungen ihrer Schöpfer über das Funktionieren
des globalen Klimasystems. Offene Systeme, wie das Klima
unseres Planeten, sind nicht wahrhaftig modellierbar, also auch nicht
wahrhaftig vorhersehbar. Rind meint: „Wetter und Klima sind komplex: Determiniertheit
inmitten von Chaos, Unvorhersehbarkeit inmitten von Verständnis“.
Analoges gilt für das Geschehen in Volkswirtschaften. „IPPC 2001,
Bd.1, S.78 hält fest: „Das Klimasystem ist ein vernetztes, nichtlineares,
chaotisches System, weswegen die langfristige Vorhersage zukünftiger
exakter Klimazustände nicht möglich ist. Eher geht
es um die Wahrscheinlichkeitsverteilung zukünftiger Klimazustände“.
Vgl. Bild 7. Im Juni 1999 äußerte sich Prof. H. v. Storch zum
heutigen Stand der Klimamodellierungen. Die Modellszenarien können
falsch und wegen des Vorsorgeprinzips unausgewogen sein, wodurch eher recht
negative, als wahrscheinliche Ergebnisse der Prognosen zu erwarten sind.
Er formulierte: „Auch wenn Modelle verschiedener Klimaforscher ähnliche
Effekte zeigen, so ist dies wegen der sozialen Vernetzung der Klima-Modellierer
untereinander nur bedingt ein Hinweis auf die Zuverlässigkeit der
Modelle. Dabei ist auch zu sehen, dass gewisse Modelleigenschaften sozial
belohnt werden. Journale, wie „Nature“ und „Science“, haben eine klare
Tendenz zu öffentlich interessanten, d.h. beunruhigenden, alarmierenden
Resultaten. [Da wird dann schon einmal "abnormality" anstelle von anomaly
bzw. gebraucht
(Kerr), Anm. d. Verf.]. Der Widerhall in den allgemeinen Medien zahlt sich
in Anerkennung und bei der finanzielen Förderung aus. Und solcher
Widerhall wird eher durch Alarmierung denn durch Relativierung erzielt.
Andererseits kann ein geschickter Modelleur die Resultate seiner Modellierung
in Grenzen durch die Spezifikation der Parametrisierungen selbst bestimmen“.
Auf diese Möglichkeiten der Manipulierbarkeit von Computermodellen
weist auch Luhmann hin. IPCC hat offensichtlich seine Klimamodellierungen
für den Bericht 2001 durch Vorgabe unwahrscheinlicher Szenarien (hoher
Kohleverbrauch, aber wenig SO2-Emission, hohe CO2-Emissionen aus nordhemisphärischen
Böden) in den Bereich großer, beunruhigender, alarmierender getrieben,
vgl. Bild 7.
Der Beitrag auch des teuersten und leistungsfähigsten Computer
zur Wahrheit einer Modellprognose ist gleich Null. Computersimulationen
suggerieren eine illusionäre Präzision, obwohl unsichere Annahmen,
grobe Vereinfachungen oder gar Irrtümer der Modellierung zugrunde
liegen. Trotzdem soll man auch offene Systeme modellieren, und man soll
mit solchen Modellen Prognosen wagen. Aber man soll bitte nicht behaupten,
dass die computermodellierte Vorschau die wahre, einzige und zutreffende
Zukunft sei. Und man soll Prognosen nach abgelaufener Zeit immer mit der
eingetretenen Wirklichkeit vergleichen (s. Bild 3). Ein anderes, gut bekanntes
Beispiel für eine fehlgegangene schreckenserregende Prognose ist der
spätestens für 1999 vorausgesagte Tod des deutschen Walds. (vgl.
Kandler, Holzberger) .

Bild 3. Primärenergieverbrauch in Mio. t SKE/a der Bundesrepublik
Deutschland (West). Nach Angaben DLR; dicke Kurve: Istwerte 1970 bis 1995,
dünne Linien: Prognosen aus den Jahren 1973 bis 1984.
Bild 4. Bruttostromverbrauch in TWh/a der Bundesrepublik Deutschland
(West). Nach Angaben der DLR;
dicke Kurve: Istwerte 1970 bis 1995.
Senkrechte Balken: Prognosen für das Jahr 2000 aus den Jahren 1976
bis 1984, gestrichelte Linie: Lernkurve.
Eine andere Art des Vergleichs ist es, den Prognosewert für ein
zukünftiges Datum als Funktion des Jahrs darzustellen, in dem die
Prognose erstellt wurde. Eine solche Lernkurve zeigt das Bild 4. In analoger
Weise lassen sich die Prognosen der Klimaforscher für die Zunahme
der Globaltemperaturen von 1990 bis zum Jahr 2100 als Funktion des Zeitpunkts
der Prognose darstellen (vgl. Bild 6). Hierbei wird ein bestimmtes Verhalten
der Menschheit bezüglich ihrer CO2-und SO2-Emissionen aus der Verbrennung
fossiler Energien angenommen. Bild 5 zeigt die CO2-Emissionen von 1860
bis heute und die Emissionsszenarien des IPCC 1995.
Bild 5. CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger
1880...1990, weltweit, gerechnet als Kohlenstoff-Äquivalent in Gt
(nach Trömel und Loose).
Nach 2000: Szenarien des IPCC 1995.
Die derzeit als gesichert und als zu heutigen Preisen gewinnbar betrachteten
Vorräte von fossiler Energie sind 1100 Gigatonnen Kohlenstoff (GtC)
wobei 1t C 3,67t CO2 entspricht. Das Szenario BAU verbrennt
bis 2100 kumuliert 1500 Gt C, was mit höheren Preisen und mit einem
erhöhten Anteil von Kohle möglich ist. Mit dieser Voraussetzung
haben die Klimaforscher des IPCC ihre Klimamodelle gefüttert und sich
1990 und 1995 auf eine gemittelte, konsensuale Voraussage der Temperatursteigerung
für dieses Szenario bis zum Jahr 2100 geeinigt (s. Bild 6).
Bild 6. Lernkurve der Klimamodellierung 1985 bis 2005. Für das
Jahr 2100 prognostizierte globale Temperaturzunahme als Funktion des Prognosejahres.
Für das Szenario BAU.
IPCC 2001 hat mehr und pessimistischere Szenarien entwickelt. Die so berechneten  und
ihre Wahrscheinlichkeit zeigt Bild 7. IPCC gab 1,4°C als untere und
5,8°C als obere Schätzung für  an
(im Bild 7 eingetragen) mit enorm unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit.
Bild 7. Wahrscheinlichkeit der Temperaturzunahme von 1990 bis 2100
nach den 35 Szenarien und Hypothesen des IPCC 2001. Aus Economist
7.4.2001 S. 82, Quelle "Uncertainty Analysis of Global Climate
Projections", by Henry Jacoby et al. MIT. Vgl. Schneider (2001), Wigley
und Raper sowie Reilly.
Lernkurve des Treibhauseffekts
Alle diese Prognosen für
beruhen auf der Hypothese des anthropogenen Treibhauseffekts, insbesondere
für das CO2, und auf der unvollständigen, nicht wahrhaftigen
Modellierung des offenen Systems Klima. Es ist zu erwarten, dass mit weiterer
Zunahme unserer Kenntnisse über klimabestimmende Vorgänge die
Modelle und ihre Prognosen wahrhaftiger werden. In den 90er Jahren wurden
auch abkühlende Effekte in die Modellrechnungen einbezogen, wie z.B.
die der Sulfataerosole aus der Verbrennung fossiler Energien. Dies hatte
man in den 80er Jahren eher übersehen, mit dem Effekt zu hoher, aber
politisch und medial gut verwendbarer großer .
Inzwischen (2001) nimmt man die Wirkung der Sulfataerosole wieder zurück.
1971 wurde von Schneider und Rasool noch die anthropogene Eiszeit mit Hilfe
des anthropogenen SO2 modelliert.
Das IPCC hat den hypothetischen Treibhauseffekt des CO2 1990 und
1995 mit
= 6,3 · ln (c/c0) (forcing in Watt/m
2) angegeben. 1998 empfahlen Myhre et al. dem IPCC für diesen
mit Modellen berechneten Treibhauseffekt eine Korrektur um 15% nach unten
auf
= 5,3 · ln (c/c0 ). Das erweckt
den Eindruck, dass man mit „besseren“ Hypothesen für die Infrarotaktivität
des CO2 und den Strahlungstransfer in der Atmosphäre auch bald für
den Treibhauseffekt des CO2 eine Lernkurve wird konstruieren können.
Die Aerosolforscher haben wiederholt (Andreä, Charlson und Heintzenberg)
darauf hingewiesen, dass die direkten und indirekten Klimawirkungen der
vielfältigen sowohl kühlend (Sulfataerosole) als auch erwärmend
(Ruß) wirkenden Aerosole zwar noch schwieriger modellierbar sind
als die der Treibhausgase (CO2, CH4), dass sie aber betragsmäßig
vergleichbar seien. Sind unsere Modellierungen, ist unser Denken CO2-fixiert?
Und wenn ja, warum? Ist der modellierte CO2-Treibhauseffekt unwiderlegbar
richtig? Vgl. IPCC 2001, Bd. 1, S.37, 353, 392, 394.
Im Sommer 1998 und wieder im Sommer 2000 gab Hansen einen zusammenfassenden
Überblick über den Stand der Kenntnisse der unser Klima antreibenden
Kräfte. Er stellt fest: „Die Antriebe (forcing) für den langfristigen
Klimawandel sind nicht mit einer Genauigkeit bekannt, um zukünftigen
Klimawandel zu bestimmen.“ Hansen weist darauf hin, dass die Einbeziehung
weiterer anthropogener Antriebskräfte dazu führen könnte,
dass die Änderungen der Sonnenaktivität beim Klimawandel eine
relativ größere Rolle spielen könnte als man bisher angenommen
hatte.
Zellner stellte 1999 fest, dass noch kein unzweideutiger Beweis für
die anthropogene Verursachung der Temperaturzunahme existiert. Er meint:
„Die Klimaforschung bleibt spannend.“ In einer Stellungnahme der Deutschen
Meteorologischen Gesellschaft vom Juni 1999 steht der Satz: „Es ist unstrittig,
dass der anthropogene Treibhauseffekt noch nicht unzweifelhaft nachgewiesen
werden konnte.“ Wenn man davon ausgeht, dass in den Modellen weitere abkühlende
und erwärmende Effekte bisher übersehen wurden und nun eingebaut
werden, und wenn der anthropogene Treibhauseffekt des CO2 nicht die
ihm zugerechnete hypothetische Größe besitzt, dann extrapoliert
man im Bild 6 nicht ohne Grund für 2006 ein prognostisches anthropogenes
= 0 mit Hilfe der Lernkurve der Klimamodellierung, d.h. keine anthropogene
Änderung der Globaltemperatur (was nicht bedeutet, dass es nicht aus
vielen anderen Gründen in 2100 wärmer, kälter oder gleich
temperiert wie heute sein könnte).
Diese Auffassung ist eine ebenso ungesicherte Erkenntnis wie es die
Modellprognosen des IPCC sind. Diese Prognose der Prognosen ist wissenschaftlich
betrachtet ebenso falsch oder richtig, oder im politischen Sinn ebenso
korrekt oder unkorrekt, oder in ethischer Sicht ebenso wahr oder unwahr
wie die Basisprognosen des IPCC, aus denen sie abgeleitet ist. Professor
Miller vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven ist zuzustimmen, der
1997 in einem Interview feststellte: „Wir wissen, dass unser Klima sich
schnell ändern kann. Entweder vom Warmen ins Kalte oder umgekehrt.
Aber jeder, der prophezeit, es wird garantiert wärmer, der kann das
nicht reinen Gewissens tun“.
Der hypothetische Treibhauseffekt des anthropogenen CO2 wird bisher
herbeimodelliert. Der Nobelpreisträger Paul Crutzen meinte 1994: „Es
gibt bereits so viel CO2 in der Atmosphäre, dass in vielen Spektralbereichen
die Strahlungsaufnahme (Absorption) durch CO2 schon fast vollständig
ist, und zusätzliches CO2 spielt keine große Rolle mehr“. Diese
Auffassung wird gestützt durch Überlegungen von Barret und Messungen
von Hug, der 1998 die politisch nicht korrekte, aber wissenschaftlich sehr
gerechtfertigte Frage stellt: Ist die anthropogene, CO2-bedingte, prognostizierte
Klimakatastrophe ein Artefakt?
Ein schnelles Nein war die Antwort von Raschke et al.. Im Januar 2000
belegte Hug seine Zweifel am anthropogenen Treibhauseffekt und machte mit
Messungen plausibel, dass die Kritik von Barret am hypothetischen Strahlungstransport
des CO2 weitgehend zutrifft, und dass der hypothetische Treibhauseffekt
des CO2 demnach noch wesentlich kleiner sein muss als er zuletzt von Myhre
et al. berechnet worden war. Hug kritisiert, dass die von den Klimamodellierern
verwendete HITRAN-Database für das Transmissionsspektrum das CO2 nicht
die physikalische Realität wiederspiegelt. Raschke und Stuhlmann nahmen
2001 zu den Zweifeln am anthropogenen Treibhauseffekt Stellung: "In Bodennähe
wirkt CO2 nur noch in den Flanken seiner starken Banden und in den dort
noch ungesättigten schwachen Banden. In der Höhe dagegen verstärkt
sich die Absorption und Emission auch in dem dort noch ungesättigten
Bandenzentrum." Und weiter: "Die Beobachtungen geben den (Modell-)Vorhersagen
an vielen Stellen allerdings Recht wie in einem Indizienprozess. Der kausale
Zusammenhang, nämlich die Wirkung der zusätzlichen Konzentration
des CO2, bleibt noch ungeklärt."
Volz weist darauf hin, dass die Temperatursensitivität des Treibhausgaseinflusses
von der etablierten Klimawissenschaft (IPCC) etwa um den Faktor 2 bis 3
zu hoch eingeschätzt sein könnte bei entsprechender Unterschätzung
der Sensitivität hinsichtlich der Solaraktivität. Seine eigenen
Berechnungen machen eine Erwärmung bei CO2-Verdoppelung von sehr deutlich
unter 2°C plausibel. Andreae macht auf den von Jacobson mit Modellen
abgeschätzten, erstaunlich hohen, erwärmenden Effekt der anthropogenen
Rußemissionen aufmerksam: 1/3 des CO2-Treibhauseffekts.
Harries glaubt, durch den Vergleich (1970 mit 1997) von Spektren der
Infrarotstrahlung der Erde den zusätzlichen, anthropogenen Treibhauseffekt
nachgewiesen zu haben. Eine Auswertung (Dietze, priv. Mitteil.) ergab,
dass diese Spektralunterschiede auf einen Effekt des CO2 schließen
lassen, der um den Faktor 4 kleiner als die Modellierung des IPCC sein
könnte, und dass dem Methan und der Sonne ein überraschend hoher
Effekt zuzuordnen ist.
Fazit: Die Zweifel am Treibhauseffekt des CO2 führen zu der noch
weiter abzusichernden Erkenntnis, dass die CO2-basierte anthropogene Klimakatastrophe
nicht eintreten wird. Kritiker dieser Argumentation nennen das rationalistische
Zweifel (Luhmann).
Die Warmzeiten der letzten 10.000 Jahre begünstigten die Entwicklung
der Menschheit (vgl. Bild 2). Soweit bekannt, war es bis zu einem halben
Grad wärmer bei um 22% niedrigerem CO2-Gehalt der Atmosphäre
als heute. Vor 400 Jahren (kleine Eiszeit) war es um ein Grad kälter
als vor 1000 Jahren (mittelalterliches Optimum) bei gleichem CO2-Partialdruck.
Die Klimageschichte der Nacheiszeit zeigt nach Patzelt, dass in den
Alpen keine außergewöhnliche Temperaturentwicklung eingetreten
ist, weder im Ausmaß noch in der Geschwindigkeit der Veränderung.
Der gegenwärtige Gletscherschwund ist nicht als Signal für eine
außergewöhnliche Klimaentwicklung zu werten. Thiede und Tiedemann
haben keine Zweifel, dass das Klimasystem unserer Erde in den kommenden
tausend Jahren in eine neue kaltzeitliche (=glaciale, eiszeitliche) Situation
geraten kann.
Ufer weist darauf hin, dass viele Wissenschaftler den Treibhauseffekt
des CO2 als zweit- bis drittrangig für die Klimaentwicklung ansehen,
z.B. Weber 1991 und 1995. - So war vor rd. 45 Mio. Jahren die Globaltemperatur
um 5°C höher als heute bei nur 370 bis 400 ppm CO2. Und vor 9
bis 25 Mio. Jahren waren es 6°C mehr als heute bei 180 bis 290 ppm
CO2. Veizer meint, dass die atmosphärische CO2-Konzentration während
wenigstens eines Drittels der letzten 550 Millionen Jahre nicht der wesentliche
Antrieb für das Klima war; Crowley und Berner schließen sich
dem nicht an. - Am Ende der letzten drei Eiszeiten stieg zuerst die Temperatur
und dann die CO2-Konzentration. Für die Jahre von 1960 bis 1988 wurde
ermittelt, dass die globale Temperaturzunahme dem CO2-Anstieg voraus lief,
vgl. Kuo et al.
Der globale Kohlenstoff-Kreislauf und damit das CO2 in der Atmosphäre
ist in komplexer Weise mit dem Klima verknüpft. Die Dynamik
der Kohlenstoff-Vorräte, der Kohlenstoff-Quellen
und Senken ist - mit Ausnahme der Atmosphäre und der fossilen Energien
- ungenügend bekannt, so dass Zweifel berechtigt sind, ob die von
der Klimamodellierung verwendeten Annahmen über die langfristigen
Senken-/Quellen-Funktion der Biosphäre zutreffend sind. IPCC 2001
hat in seine Szenarien zukünftige hohe CO2-Emissionen aus nordischen
Böden eingebaut. Parallel wird bekannt, dass die Nordhemisphäre
seit 20 Jahren grüner wird (NASA) und dass seit 10 Jahren mehr CO2
von nordhemisphärischen Senken aufgenommen wird (IPPC 2001, Bd. 1,
S.39).
Klima, Leben, Agenda 21
Unser Planet Erde – der klimatologisch richtiger „Wasser“ heißen
müsste – und sein Klima sind in irreversiblem Wandel befindlich, stehen
nicht im Gleichgewicht. Die planetarische Realität und unser Leben
darin sind irreversibel. Leben heißt „immer Ankommen“ und „immer
Abschiednehmen“ oder „Werde und Stirb“. Carl Amery sagt: „Die Menschen
sind Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will und deshalb
tötet und stirbt. Tod ist eine Verkehrsform des Lebens“. Diese Irreversibilität
verstört viele Menschen: Sie möchten ewig, ohne ‘bösen’
Ressourcenverbrauch und im paradiesischen vorindustriellen Gleichgewicht
leben. Das ist eine individuelle und politisch-massenpsychologische Illusion;
eine sehr wirksame, wie man am Logo „Halt‘ die Welt im Gleichgewicht“ des
Bundesumweltministeriums erkennen kann. Die Rede vom Klima-Gleichgewicht
ist eine nonsense-Leerformel der Umweltpolitik. Die Natur ist weder gut
noch böse, sie ist konsequent. Mensch und Natur sind biologisch, zivilisatorisch
und kulturell in vielfältiger Weise miteinander vernetzt in einer
stets instabilen und uns oft überraschenden Weise (Radkau).
„Die aggressiv vorgetragenen Interpretationen des Einflusses von Menschen
auf die modernen Klimaänderungen haben“, so sagt Thiede, „schon jetzt
dazu geführt, dass weit reichende, uns alle betreffende wirtschaftliche,
durch die bisher vorliegenden Messergebnisse aber nicht gerechtfertigte
Entscheidungen getroffen worden sind. In der Forschungsförderung beobachtet
man ebenfalls eine Polarisierung“.
Über den Verlauf der öffentlichen Klimadiskussionen in Deutschland
1975 bis 1995 berichten Weingart et al. mit interessanten Praxisbeispielen.
Die schlussendliche mahnende Meinung ist, dass unsere moderne Gesellschaft
nicht nur mit Umweltrisiken, sondern auch mit Informationsrisiken fertig
werden muss. Ein dort nicht genanntes Beispiel aus der Praxis ist eine
Broschüre der NATO (Huntley) aus 1971/72 über die Suche nach
neuen Politikfeldern wie Umwelt- und Artenschutz: „Milliarden Tonnen von
CO2 verseuchen die Luft; ein abnorm hoher CO2-Anteil in der Luft könnte
bedeutsame Klimaänderungen bewirken“. - Die Geschichte eines anderen
Informationsrisikos schrieb Taubes: The soft science of dietary fat. -
Auch das Waldsterben (Kandler, Holzberger) gehört hierher.
Das Konstrukt ‚Globalklima‘ wird berechnet aus dem Wetter; das ist ein
lebendiges, hochvernetztes, offenes Nichtgleichgewichts-System. Es ist
nicht real modellierbar und nicht wahrhaftig vorhersehbar. Das gelingt
auch nicht mit noch größerem Rechneraufwand und dem Einbeziehen
immer weiterer systemarer Einflüsse physikalischer, chemischer und
biologischer Natur. Klimaprognosen sind keine gesicherte Erkenntnis, man
muss sie glauben. Was aufs Hörensagen geglaubt und weitergesagt wird,
ist Mythos – der Mythos der anthropogenen Klimakatastrophe (vgl. Trömel).
Die Energiepolitik in Deutschland wird gegenwärtig von Schlussfolgerungen
dominiert, die sich aus dem als real existierend angesehenen anthropogenen
CO2-Treibhauseffekt ergeben (Ufer). Doch ist weder in den nächsten
Jahren eine schädliche Klimaerwärmung mit Sicherheit zu erwarten,
noch wird diese Erwärmung allein durch den Menschen verursacht. Es
gibt keinen überzeugenden wissenschaftlichen Beweis für eine
anthropogene, CO2-bedingte Erwärmung in dem Ausmaß wie das IPCC
meint, sie festgestellt zu haben bzw. glaubt, sie voraussagen zu müssen,
vgl. auch Dietze.
Die Verringerung unseres Verbrauchs an fossilen Energieträgern
ist mit anderen guten Gründen zu rechtfertigen als mit klimatischen,
was auch für Politiker offensichtlich ist: Vermeidung von Emissionen
wie CO, SO2, NOx, CHn, Ruß; Schonung der begrenzten fossilen Energieressourcen
als Basis für die Synthesen der Chemie; Verkleinerung unserer geopolitischen
Abhängigkeit von Energieeinfuhren. Für die rationale Begründung
eines sparsamen Umgangs mit fossilen Energien braucht es keinen Mythos
der anthropogen verursachten Klimakatastrophe, deren mediale Existenz sich
aus der irrationalen Gegnerschaft gegen die industrielle Zivilisation speist.
Wir, d.h. unsere durch demokratische Wahlen legitimierten parlamentarischen
Vertreter, können beschließen, dass der Verbrauch fossiler Energien
gedrosselt wird, aus welchen Gründen auch immer. Die Parlamentarier
können aber die Begründung und damit die Verantwortung
nicht auf Wissenschaftler verlagern, die wir nicht gewählt haben
(oder auf deren Kommissionen, Panels oder Beiräte, die dann ersatzweise
per Mehrheitsentscheidung feststellen, was der Stand der Wissenschaft sein
soll). Forscher sollten keine Politik machen. Politiker sollten Entscheidungen
nicht anderen überlassen, die sich nicht zur Wahl stellen.
In einem Spektrum-Interview (Juli 2001, S. 74) bemerkte Prof. Stichweh
(Soziologe): „Die moderne Wissenschaft hat ein sehr klares Bewusstsein
von der Ungewissheit, dem approximativen Charakter allen Wissens. Allerdings:
Wenn Sie beispielsweise Klimamodelle machen, wo Ihnen massive gesellschaftliche
Erwartungen gegenüberstehen - Sie sollen Empfehlungen aussprechen,
der Politik Handlungsimperative auferlegen -, dann teilen Sie die Ungewissheit
nach außen nicht mit, sondern versuchen, relativ eindeutige Botschaften
zu liefern.“ Im gleichen Interview sagte Prof. Ehlers (Astrophysiker),
dass die Öffentlichkeit der Wissenschaft nicht die nötigen Mittel
gewähren würde, wenn sie die Unsicherheiten herausstellen würde;
das sei ein praktischer Gesichtspunkt. M. Schrope berichtet über das
Zustandekommen des 3. Berichts des IPPC 2001: Für einige sei es der
Gipfel wissenschaftlicher Zusammenarbeit, für andere sei es ein Sieg
der Politik über die Wissenschaft, bei dem Unsicherheiten herunter
gespielt werden.
Für die Begründung einer tief einschneidenden Veränderung
im Verbrauch fossiler Energieträger muss die Klimawissenschaft den
anthropogenen Treibhauseffekt des CO2 besser belegen als dies bis heute
geschehen ist (vgl. Stadlbauer). Das anthropogene Klimaproblem – wenn es
denn eines ist – lässt sich nicht nachhaltig durch Verarmung lösen;
es geht darum, durch technischen und sozialen Fortschritt die unabdingbare
Sozialverträglichkeit umweltschützender Maßnahmen zu gewährleisten
(Pies). Ein auf grotesken Übertreibungen beruhendes Horrorszenario
ist nicht zielführend und kann das ökologische Anliegen diskreditieren.
Derweil erscheint es empfehlenswert, den Vorschlägen von Binswanger
für eine nachhaltige Strategie des Einsatzes fossiler Energieträger
zu folgen: Erhöhung der Wirkungsgrade bei allen Umwandlungen/Nutzungen
mit dem Ziel, in Bälde einen weltweit fallenden Verbrauch im Bereich
von 0,1 bis 0,2% pro Jahr zu realisieren. Die Erhöhung der Energieeffizienz
ist die verträglichste Ressource im Sinn der Agenda 21. Die ‚erneuerbaren‘
Energien sind auf diesem Weg hilfreich, jedoch können sie unser Energieproblem
allein nicht lösen.
Das IPCC 2001, Bd.3, S.5, empfiehlt zur Verringerung der CO2-Emissionen
u.a. die Nutzung der Kernkraft einschließlich der Laufzeitverlängerung
der existierenden Kernkraftwerke.
Die wesentliche ökologische Gefahr für die Menschheit
ist das zu schnelle Wachstum ihrer Zahl und ihrer Bedürfnisse und
der vergleichsweise zu geringe Zuwachs ihrer Vernunft.
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Thiede, J.; VDJ-Nachr. 3.5.2001 S. 23
Thompson, M.; Rayner, St.: Cultural Discourses, S. 271 in Human Choice
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Thüne, W.: Der Treibhausschwindel. Wirtschaftsverlag Discovery
Press, Saarbrücken 1998
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Umwelt. Teubner Verlag, Stuttgart/Leipzig 1999, s.28-82
Veizer, J. et al.: Nature 408 (2000) 698
Volz, H.: Erdöl, Erdgas, Kohle 116 (2000) 431
Weber, G.R.: Treibhauseffekt – Klimakatastrophe oder Medienpsychose?
Dr. Böttiger Verlags-GmbH, Wiesbaden 1991
Weber, G.R.: Kommt die Klimakatastrophe? Eigenverlag, Essen 1995
Weingart, P.; Engels, A.; Pansegrau, P.: Public. Understand. Sci. 9,2000,261
Wigley, T.M.L.; Raper, S.C.B.: Science 293 (2001) 451
Zellner. R.: Global Aspects of Atmospheric Chemistry. Verlag Steinkopff,
Darmstadt 1999, S. 295
Röck, Heinrich
Eiswissen und Lernkurve
Natur - Menschheit - Technik
Inhalt:
Prognosen,
Modelle, Computer, Lernkurven.
Umweltpolitik - mit Meinungen oder Tatsachen?
FCKW - das Gute und das Böse.
Schadstoff - Richtwert - Grenzwert.
Die Biomasse in Europas Wäldern wächst.
Alles wird immer schlechter - oder nicht?
Wetter, Klima, Treibhauseffekt.
Unsicherheiten der Klimamodellierung, der Klimaprognosen.
Extreme Wetterereignisse und ihre Funktion in der Klimadebatte.
Vorsorge für Wasser, Luft, Klima.
Klima-Nachschau, -Vorschau. IPCC 1990/95, Lernkurven.
Der Stand unserer gesicherten Erkenntnis, unsere Wissenschaft, wird
überschätzt. Wir wissen kaum 10% dessen, was wir wissen müßten,
vergleichbar mit der Spitze eines Eisbergs: Mit solchem Eiswissen gehen
wir an die Lösung der Umweltprobleme der Menschheit, die sie sich
mit ihrer wachsenden Zahl und ihren wachsenden Bedürfnissen einhandelt:
FCKW/Ozon; Treibhausgase/Klima; Agrochemikalien/Trinkwasser; Immissionen/Wälder.
Welche Vorsorge ist die Richtige: Grenzwert Null oder toxikologisch begründeter
Wert? Europas Wälder wachsen, das Waldsterben ist ein massenpsychologisches
Phänomen. Umweltpolitik sollte rational mit Tatsachen gemacht werden,
nicht emotional mit Meinungen. Es stimmt nicht, daß für die
Menschen Mitteleuropas immer alles schlechter wird: Die Lebenserwartung
steigt, die Krebserkrankungen gehen zurück, Luft und Wasser werden
sauberer. Mit Berichten über extreme Wetterereignisse werden wir manipuliert,
damit wir radikale Änderungen der Energieanwendungen akzeptieren,
obwohl unsere Klimakenntnisse typisches Eiswissen sind: Unser Klima kann
sich ändern, vom Warmen ins Kalte oder umgekehrt. Wer jedoch prophezeit,
es wird garantiert wärmer, der kann das nicht reinen Gewissens tun.
Im Jahre 2005 könnte die vom IPCC für das Jahr 2100 vorhergesagte
globale Temperaturzunahme gemäß Lernkurve 0 °C betragen,
demnach gäbe es keine anthropogene Klimakatastrophe.
Der Autor weist anschaulich und eindringlich auf die Notwendigkeit einer
rationalen Betrachtung ökologischer, ökonomischer und sozialer
Probleme hin unter Hinweis auf die Unvollkommenheit wissenschaftlicher
Erkenntnisse. Auf die anderen Orts üblichen Übertreibungen oder
Polemisierungen wird gänzlich verzichtet und so u. a. ein wertvoller
Beitrag zur aktuellen Klimadiskussion geleistet. Das müßte sogar
für jene überzeugend oder jedenfalls nützlich sein, die
dem Autor nicht zustimmen mögen.
Abbildungen - 20 Tabellen - 186
Seiten
1. Auflage 1998, ISBN 3 925 249
44 3
Verlag Alois Erdl OHG, D-83308
Trostberg/Obb.
Telefon-Nr. (0 86 21) 808-0
Fax: (0 86 21) 808 10
Preis: 19,90 DM zzgl. Versandkosten
18.12.2001
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