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Öffentlichkeitsarbeit
"Es ist schon schlimm, wie unter dem Titel hehrer Symbolik materielle Bedürfnisse versteckt werden!  
Ich möchte doch gern einmal wissen, was denn eigentlich herauskommt bei dem Geschäft mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, mit dem, was letztlich der Bürger zahlt, mit dem, was man auch als verdeckte Steuer bezeichnen kann. Ich jedenfalls habe meine Zweifel - für mich ist das Gesetz zu einer Grundlage für Geschäftemacherei geworden - für Einzelpersonen, für Firmen, für Gemeinden, für Grundstücksbesitzer, und auch den Staat - sie alle verdienen damit - oder wollen es zumindest. 

Nachfolgend möchte ich einige Aspekte unter dem Titel "Öffentlichkeitsarbeit" ansprechen - weil ich denke, dass das Problem der zukünftigen Energieversorgung nicht genügend berücksichtigt wird, weil der Mensch sich zu stark vom JETZT leiten läßt, aber auch, weil insbesondere das Thema "Windkraft" sehr stark emotionell angegangen wird  -  das Thema "Kernkraft" ist ein gefundenes Fressen für die Politik, um den Menschen zu beeinflussen. Dass die Öffentlichkeitsarbeit der Windkraft-Freunde dieses nutzt, ist verständlich,  aber es sei die Frage erlaubt, ob sie immer sachlich ist  Ich bezweifele es! 

Sind es tatsächlich 3% Anteil des Stromes aus der Windkraft an der Stromerzeugung im Jahr 2001? Das Statistische Bundesamt schreibt von 2%. Man mag meinen, das sei ja kein Unterschied - für mich sind 3 %  fünfzig Prozent mehr als 2 %!
Wie setzen sich die 35.000 Arbeitsplätze der Windindustrie zusammen - oder die 100.000 oder die 120.000 Arbeitsplätze, von denen windorientierte Verbände oder Politiker sprechen?  Mit Zahlen kann man argumentieren - aber man sollte sie transparent darstellen - und sie müssen stimmen.  Wäre es nicht doch interessant - und im Sinne einer Bürger-Information - wenn z.B. die Tageszeitungen nicht nur über neue Windkraftanlagen, sondern auch über die Erträge der Anlagen, die sie vor 2, 3 oder 4 Jahren vorgestellt haben, berichten würden. Es muss ja nicht gleich um Geld gehen - ich denke, es interessiert aber schon, den Unterschied zwischen installierter Leistung und wirklich erzeugter Strommenge in unserer Region hier in Zahlen zu erfahren  - und das im Vergleich zum Gesamtstrombedarf der Region. 

Bemerkenswert ist auch die unterschiedliche Wertung der lokalen Windkraftnutzung durch die Parteien - was in Berlin als Begründung oder Ablehnung der Windkraft gilt, gilt noch lange nicht für die Entscheidungen auf Gemeindeebene - für mich ein Beweis für die materielle Nutzung des an sich für den Klimaschutz geschaffenen Gesetzes auf dem flachen Land - wie man hört und liest, sollen es nicht unerhebliche Beträge sein, die für geeignete Flächen geboten werden. So lange das so gehandhabt wird, muss die Windkraft es sich gefallen lassen, dass man ihr Täuschung der Mitmenschen, die nicht vom materiellen Segen der Windkraftanlagen profitieren, vorwirft.  

Vielleicht kann mal berichtet werden über die Frage: "Was geschieht nach 20 oder 25 Betriebsjahren, wenn der technische Zustand der Windanlage eine Erneuerung erforderlich macht, oder wenn die gesetzliche Förderung ausgelaufen ist?  Kommt dann eine neue, größere Anlage dorthin? Muss dann das Fundament neu gemacht werden? Wer entfernt das alte Fundament? Oder geht die Betreibergesellschaft einfach pleite - und ist damit alle Sorgen und Verpflichtungen los?  

Fragen, die man stellen darf - und die beantwortet werden sollten - die (hoffentlich) den Bürger interessieren, eingedenk der Tatsache, dass erst die Zukunft die einschneidenden Energieprobleme bringt. 

Wer aber meint, wir hätten jetzt schon Umweltprobleme, dem sei gesagt, dass Kernkraftwerke durch die Stromproduktion keinen  CO2-Ausstoss haben - was kein Freibrief für die Kernkraft sein darf, aber in einer wertenden Diskussion beachtet werden sollte. Die Frage der Entsorgung kann kein Grund sein, die Laufzeit der Kernkraftwerke auf 2 Jahrzehnte zu begrenzen, eher dürfte es ein politisches Problem sein.  Es kann doch nicht angehen, dass die zuständige EU-Kommission die Schließung der Kernkraftwerke als "sehr schweren Fehler" bezeichnet  übergangen wird, dass zwar zu lesen war, dass etwa 1 000 Wissenschaftler an der Jahrestagung Kerntechnik 2002 in Stuttgart teilnehmen, und fordern, "zukünftigen Generationen die Option Kernkraft offen halten [1]", aber weitere Informationen in den folgenden Tagen nicht erfolgen.  Mag sein, dass Zeitungsredaktionen meinen,  ergänzende Informationen würden doch nicht gelesen;  ich frage mich aber auch, ob hier nicht ein politisches Kalkül vorliegt. 

Ich schreibe dieses, weil verantwortliche Politiker in der Bundesrepublik das Schließen der Kernkraftwerke bis 2021 gesetzlich geregelt haben, aber nicht konkret sagen können, wie anschließend die Versorgung der Bevölkerung mit Strom sicher erfolgen wird.  Ob das Moment des "Dann-nicht-mehr-verantwortlich-sein" dabei eine Rolle spielt, mag man als böse Unterstellung ansehen - ist aber doch wohl nicht ganz so abwegig.  Und der Import von Elektrizität im Rahmen des Europäischen Verbundnetzes, in das unsere Nachbarstaaten ihren überschüssigen Strom (natürlich auch den aus Kernkraftnutzung) einspeisen, kann doch wohl nicht die Lösung [2] sein! 

Wie sagte mal jemand? "Der freiwillige Fraktionszwang ersetzt die intensive Beschäftigung mit dem Gesetz!" 

Ich erspare mir an dieser Stelle Hinweise auf die Problematik anderer erneuerbarer Energien, auf noch nicht abgeschlossene technische Entwicklungen, auf Probleme, die außerhalb der Bundesrepublik liegen, die aber unsere Zukunft beeinflussen - darüber ist an anderen Stellen genügend geschrieben und gesagt worden. Es macht auch mir keinen Spaß, immer wieder auf die Problematik der Nutzung der Windenergie hinzuweisen - man ist im Grunde als Einzelner machtlos - andererseits möchte ich mir nicht nachsagen lassen: "Du hast ja auch geschwiegen, obgleich Du anderer Meinung warst!" 

Und meine Überzeugung ist nun mal, dass die derzeitige Nutzung der Windenergie in der Bundesrepublik nicht der Umwelt dient, sondern dem Portmonee von Firmen, Flächenbesitzern, Organisationen und politischen Gemeinden, die finanzielle Probleme haben. Natürlich gibt es auch wirkliche Idealisten - ich vermute, dass diese aber in der Minderheit sind - ach ja, und dann gibt es auch die Politiker, die - aber das habe ich schon oben geschrieben. 
[1]: 15.05.02 - Cellesche Zeitung - Jahrestagung Kerntechnik 2002
[2]: 25.05.02 - CZ - Seite 4 - Finnland: "Grünes Licht für neuen Atommeiler"

Dirk Kraemer 

29.05.2002http://WilfriedHeck.tripod.com