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Windenergienutzung im Vogelsberg
NABU kritisiert ungehemmten Ausbau der Windkraft im Vogelsberg


Immer mehr Anträge für die Errichtung neuer Windkraftanlagen (WKA) flattern in letzter Zeit dem NABU - Vogelsberg zur Stellungnahme auf den Schreibtisch. "In Kürze wird die zweihundertste Anlage den Vogelsberg zieren" so der Kreisvorsitzende Walter Kreß. Und damit noch lange nicht genug. Würden alle im Regionalplan dargestellten sogenannten Gunststandorte mit WKA bestückt, käme allein der Vogelsbergkreis auf 400 und mehr Anlagen. Und auch in den Nachbarkreisen wird geplant und gebaut, was das Zeug hält. Aktuell ist z.B. im südlichen Vogelsberg bei Steinau ein "Windpark" mit 70 Anlagen in Planung. Eine Fläche von 700 ha bis jetzt unbelasteter Landschaft würde in einen gigantischen Industriepark verwandelt.

"Unserer Ansicht nach muß der Umstieg auf erneuerbare Energien weiterhin eine zentrales Anliegen der Umweltpolitik sein, allerdings mit veränderten Prioritäten", meint Kreß und weiter: "Bei der Planung und Errichtung von WKA dürfen die berechtigten Interessen der betroffenen Menschen und des Naturschutzes nicht unter den Tisch fallen."

Nach §1 des Naturschutzgesetzes sind Schönheit und Eigenart von Natur- und Landschaft zu schützen und nachhaltig zu sichern. Die Situation im Vogelsberg läßt sich mit diesem "Grundgesetz des Naturschutzes" längst nicht mehr vereinbaren. Maßgeblich für Windindustrieanlagen ist, dass sie mit ihrer Größe und Unruhe alle vorhandenen Strukturen brechen und als Fremdkörper die Region technologisch überformen und prägen, mit allen bekannten und noch unbekannten Schädigungen von Mensch und Tier. Eine Beeinträchtigung der Tierwelt und hier besonders der Vogelwelt kann heute nicht mehr abgestritten werden. Brut- Nahrungs- und Rastgebiete bedrohter Vogelarten wie Schwarzstorch, Kranich und Kiebitz sind durch WKA gefährdet oder bereits verschwunden. Gerade im Vogelsberg wird eine vormals intakte Mittelgebirgslandschaft planlos und flächendeckend mit gewaltigen Industriebauten zersiedelt.

Auch das Bundesamt für Naturschutz plädiert dafür, WKA konzentriert nur dort zu errichten, wo die Standorte, wie bei Industrie- und Gewerbegebieten, hoch negativ vorbelastet sind. In Natur- und Kulturlandschaften sollte, aufgrund der von WKA ausgehenden Störungen und der Empfindlichkeit der Landschaft, von einer Ausweisung von Windkraftstandorten abgesehen werden.

Schon bei der Regionalplanung sind offensichtlich gravierende Fehler begangen worden. Einzige Abwägungsgrundlage scheint die Windhöffigkeit eines Standorts gewesen zu sein. Einwände von Naturschutzverbänden wurden fast immer "weggewogen", wie es im schönsten Amtsdeutsch heißt. "Es scheint fast so als haben Lobbyisten der Windindustrie den Planern die Feder geführt, kritisiert Kreß. Von einer Gesamtkonzeption für die Region, wie sie zum Beispiel in den Regionalplan für Nordhessen eingeflossen ist, kann schon gar keine Rede sein." In den verantwortlichen Regierungspräsidien Gießen und Darmstadt wurden bei der Aufstellung der Regionalpläne Belange wie Landschafts- Natur- und Menschenschutz zugunsten eines massiven Ausbaus der Windkraft hintangestellt. Selbst gesetzliche Vorgaben und rechtskräftige kommunale Planungen wurden im Zweifelsfall übergangen.

Fachleute sehen in der Windenergieerzeugung im Binnenland ein maximales Potential von ca. 7% des Gesamtstromverbrauches. Dazu müßten allerdings mehrere Zehntausend WKA zusätzlich errichtet werden, in einem dicht besiedelten Land wie unserem kaum vorstellbar.

Mit relativ einfachen Maßnahmen (z.B. moderne Stand-By Schaltungen, Energiespargeräte, etc.) ließen sich dagegen nach amtlichen Schätzungen bis zu 30% Strom einsparen, ohne auf Komfort zu verzichten. Der Aufwand zur Erzeugung von Windstrom steht somit in keinem Verhältnis zu den verursachten Schäden. Aufgrund der unsicheren Verfügbarkeit von Windenergie infolge des wechselnden Windaufkommens und wegen des geringen Leistungsgrades von Windkraftanlagen müssen Kohle- sowie Atomkraftwerke, auch bedingt durch lange Vorwärmzeiten, zur Sicherung der Stromversorgung ständig weiter laufen. Kein einziges Großkraftwerk kann deshalb durch WKA ersetzt werden.

Die Forderung des NABU lautet deshalb: "Der Wildwuchs muss eingedämmt werden".
Alle ausgewiesenen und in Planung befindlichen Standorte im Vogelsberg müssen auf den Prüfstand. Folgende Maßnahmen sind zu ergreifen:

  • Sofortiger Stopp aller laufenden Planungsverfahren und Überprüfung auf ihre Verträglichkeit für Mensch und Umwelt. 
  • Erstellung eines Gesamtgutachtens in dem die WKA - Standorte überprüft werden auf ihre

  • – Bedeutung für das Landschaftsbild
    – Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung (Naturtourismus und –erholung)
    – Beeinträchtigung der Siedlungsbereiche und nicht zuletzt
    – Wirkung auf die Natur, insbesondere auf die Vogelwelt.
Das Ziel des NABU ist eine ausgewogene Energiepolitik für den Vogelsberg. Dazu gehört die stärkere Förderung der Energiegewinnung aus Biomasse und Sonne. Vor allem im Bereich der Biomasse gehört dem Vogelsberg mit seinen großen Wald- und Feldflächen die Zukunft. "Unser Naturraum könnte sogar zum Energieexporteur werden, wenn die vorhandenen Ressourcen konsequent genutzt würden. Dazu zählen neben Biogas aus flüssigen und festen Abfällen, Grüngut und Klärschlamm auch das reichlich anfallende Holz aus Durchforstungen und Heckenpflege, sowie Stroh und Pflanzenöle. Damit wäre allen Land- und Forstwirten geholfen und die Wertschöpfung verbliebe im Vogelsberg", so die Zukunftsvision des NABU.

Prominente Unterstützung erhält der Kreisverband vom NABU - Landesvorsitzenden Prof. Rüdiger Wagner, der in Schlitz lebt und arbeitet. Auch für ihn ist die rapide Veränderung der heimatlichen Landschaft ein Greuel. "Noch vor wenigen Jahren bot der Vogelsberg das Bild einer weitgehend intakten Kulturlandschaft. Wenn ich heute zwischen Alsfeld, Lauterbach und Schotten unterwegs bin, zähle ich nur noch Rotoren." 

Und auch Landrat Rudolf Marx hat in einem ersten Gespräch bereits Unterstützung für das Vorhaben angekündigt.
 

Naturschutzbund Deutschland e.V. - Kreisverband Vogelsberg e.V.

24.02.2002http://WilfriedHeck.tripod.com