Nur einer kam durch?
Untersuchungen an Durchzüglern und Brutvögeln an Windkraftanlagen
im
Vogelsberg
Stefan Stübing, Marburg
Gliederung
Allgemeines
Untersuchungen im Vogelsberg
Material & Methode
Ergebnisse:
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Anteile reagierender Vögel
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Abstände gegenüber Anlagen
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Abhängigkeit der Reaktionen:
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Feindmeideverhalten oder Luftturbulenzen?
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Störungsminimierende Anlagenpositionierung
Zusammenfassung
Dank: Licher Privatbrauerei & HGON
Die Vorgeschichte
Windenergienutzung zunächst (ab etwa Ende der 1980er) an der Nordseeküste
Seit Ende der 1990er verstärkt auch im Binnenland
Küstenergebnisse
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Vogelschlag meist vernachlässigbar gering.
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Beeinträchtigungen von Brut- und Rastvögeln
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Meiden von WEA-Standorten durch verschiedene Vogelarten (Gänse, Watvögel
etc.
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Abstände/Gewöhnungen variieren von Art zu Art.
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Zug nicht untersucht
Binnenland
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Im Mittelgebirge keine repräsentativen Studien (auch hier keine Untersuchungen
zum Zuggeschehen)
Vogelzug im Binnenland
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Flächendeckend mit Konzentrationspunkten
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Im Herbst durchaus auch im Einflußbereich von WEA
Das Problem
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Methodisch schwer faßbar: Streß im Feld nicht meß- und
auch nicht immer sichtbar - Auswirkungen kaum zu beurteilen (z. B. Fitnessminderung,
verringerter Reproduktionserfolg im Folgejahr)
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Küstenergebnisse nicht auf das Binnenland übertragbar (anderes
Artenspektrum, unterschiedliche Landschaften)
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Im Binnenland kaum Fakten, Beurteilung (Aufschrei) meist "aus dem Bauch
heraus"
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Bislang keine Studien zu Auswirkungen auf den Vogelzug (auch nicht an der
Küste)
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Trotzdem/deswegen: Vögel als ein wesentlicher Ausschlußgrund
von WEA
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Eindruck: Vögel müssen nicht selten das Land-schaftsbild retten....
Wichtig für Naturschutz
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Trennen der verschiedenen Aspekte (Vögel/Landschaft)
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Diskussion nur auf fundierter, wissenschaftlicher Datenbasis
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Denn: Die Glaubwürdigkeit des (privaten wie ehrenamtlichen) Naturschutzes
steht auf dem Spiel
Vogelzug im Binnenland
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Breitfrontzug fast aller Arten
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An jedem beliebigen Standort Vogelzug feststellbar
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Konzentrationen an: Zugleitlinien wie Tälern, Höhenzügen,
Waldrändern Einschnitten in (Mittel-) Gebirgen Besonders geeigneten
Rastgebieten
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Variationen von ca. 100 bis mehrere 1.000 Durchzügler je Stunde (Summe:
Je Herbstzugperiode 500 Millionen Individuen zwischen Alpen und Nordsee)
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Vorzugsrichtung im Herbst Südwest
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Zuggeschehen im Herbst deutlich niedriger und langsamer als im Frühjahr,
Tageszug niedriger als Nachtzug
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Zugbeeinflussung am ehesten für Tagzieher im Herbst
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Genaue Zahlen strittig (Feldbeobachter - Radarornithologie), aber "wesentlicher"
Anteil der Durchzügler im Einflußbereich der WEA (0,3 -150 m
Höhe)
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Sonderfall Kranich: Schmalfront von 300-400 km Breite
Untersuchungen im Vogelsberg
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Durchzügler vom 21.08. -17.11.2000 an 52 Tagen in 223 Stunden: Unter
günstigen Bedin-gungen 6 Stunden Zähldauer vormittags (tageszeitl.
Zugmaximum).
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Berücksichtigung fanden lediglich vollständig beobachtete Passagen.
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Berücksichtigung nicht reagierender Tiere.
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Notiert wurden: Zugrichtung, Entfernung der maximalen Verhaltensänderung,
Kursabwei-chung (horizontal/vertikal), Unruhegrad (grob in vier Klassen),
minimale Entfernung zu WEA, Stellung der Rotoren zum Vogel, Flughöhe
so-wie Wetterparameter.
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Vergleichsdaten anderer Zugvogelzähler.
Brutvögel: Revierkartierung der beiden größten
Windparks (13 und 23 WEA) im Umkreis von 200 m um die Anlagen an 21 Tagen
in 56,5 Stunden.
Frage im Vordergrund:
Welche Arten (-gruppen) reagieren wie und ggf. warum auf WEA?
Nur ein Jahr Feldsaison - lediglich grober Überblick möglich!
Ergebnisse
Brutvögel:
Auf 212,7 ha 619 (Brut-) Paare bzw. Reviere von 44 Arten (105 Brutnachweise,
83 Paare, 49 Brutverdachte, 382 Reviere)
Keine Abweichungen von Erwartungswerten:
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Vollständiges Arteninventar, Werte um 15% über der Arten-Arealkurve
für halboffene Feldlandschaften (FLADE 1994).
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Hoher Anteil nachgewiesener (Brut-) Paare (48% in übersichtlichen
Habitaten).
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Normale bis z. T. sehr hohe Dichten (überdurchschnittliche Gesamtdichte,
Buchfink, Goldammer, Sommergoldhähnchen, Bluthänfling, Amsel,
Singdrossel, Gartengrasmücke in maximaler Häufigkeit).
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Sehr deutliche Unterschiede zwischen den beiden Untersuchungsflächen
sowie den Teilflächen des Gebietes Helpershain (40% der Arten in nur
einem Gebiet, bei nur 6 Arten ähnliche Dichten; 9 von 23 Arten in
nur einer Teilfläche) - trotz ähnlicher Verteilung der WEA.
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Werte innerhalb der Windparks um 10 % geringer als außerhalb.
Keine Beeinflussung durch die WEA erkennbar.
Zusammenfassung
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Offenbar muß das Konfliktfeld "Vögel - Windkraft" differenzierter
angegangen werden, als dies bisher oft geschehen ist.
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Nicht alle "Windparks" wirken sich gleich - und auch nicht alle "verheerende"
- aus.
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Ausweichbewegungen der Durchzügler werden offenbar durch die Luftturbulenzen
hinter laufenden Rotoren erzeugt.
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Pauschale Urteile (gerade bezüglich Tabu- und Vorrangflächen)
müssen vermieden werden - Einzelfallprüfungen sind notwendig.
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Spezielle Untersuchungen sind nach wie vor erforderlich
Intakte Avifauna und Erzeugung von Windenergie müssen sich
nach dem aktuellen Kenntnisstand nicht zwangsläufig ausschließen,
Kompromisse sind möglich!
Abb. 1: Verhalten in WEA-Nähe
Abb. 2: Unruhe in WEA-Nähe
Abb. 3: Entfernung zu WEA
Abb. 4: Annäherung in Metern
Abb. 5: Zusammenhang zwischen Rotorumdrehung und horizontaler
(Quadrate) bzw. vertikaler (Dreiecke) durchschnittlicher Abweichung in
Grad bzw. in Meter vom Geradeausflug je Nachweis
(Klassen: 1 = 0; 2 = bis 1,3; 3 = bis 13,4; 4 = bis 20,0;
5 = 26,6; 6 = bis 33,3; 7 = bis 40,0 Umdrehungen je Minute).
Abb. 6: Zusammenhang zwischen Rotorstellung und horizontaler (Quadrate)
bzw. vertikaler (Dreiecke) durchschnittlicher Abweichung in Grad bzw. Meter
vom Geradeausflug je Nachweis
(Klasseneinteilung: 1 = 0-10°; 2 = 15-30°; 3 = 35-50°,
4 = 55-70°; 5 = 75-90°).
Abb. 7
Abb. 8
Streuung der Ausweichbewegungen nach Lebensraum
(1 = Offenland, 2. = Halboffenland, 3 = Wald, 4 = Luftraum).
Bild 9: Streuung der Abweichung nach Grad der "Gewöhnung an den
Menschen", abgelesen anhand der Regelmäßigkeit des Auftretens
in Ortslagen (0 = fast nie in Ortslagen anzutreffen, 1 = gelegentlich in
Einzelindividuen in Ortslagen, 2 = regelmäßig in großen
Populationsanteilen in Ortslagen)
Bild 10: Streuung der Abweichung nach Einstufung in der Roten Liste
Deutschlands (WITT et al. 1996; 1 = vom Aussterben bedroht, 2 = stark gefährdet,
3 = gefährdet, 4 = Vorwarnliste, 5 = ungefährdet).
Bild 11: Streuung der Abweichung von der Anzahl der WEA im "Windpark"
Bild 12: Streuung der Abweichung in Abhängigkeit von der Ausrichtung
der WEA zur Hauptzugrichtung
(1 = in Zugrichtung NE-SW, 2 = 45°-Winkel zur Zugrichtung,
3 = 90°-Winkel zur Zugrichtung).
Bild 13: Relative Anteile der Nachweise ihr Verhalten ändernder
(schwarz)
bzw. nicht ändernder (weiß = Trupps nach "Windparks"
13.12.2001
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