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  Profitiert Schleswig-Holstein vom Baustopp im nördlichen Nachbarland?
 Dänen kippen drei Offshore-Windparks
Ullrich Meißner
 KIEL
 Auf die Entscheidung des neuen dänischen Finanz-und Wirtschaftsministers Bendt Bendtsen, die Planungen für drei Offshore-Windparks zu stoppen, hat die Landesregierung in Kiel gelassen reagiert. Nach Einschätzung von Euergiestaatssekretär Wilfried Voigt (Grüne) dürfte sich daraus sogar eine Chance für Schleswig-Holstein ergeben. Seiner Ansicht nach könnten möglicherweise einige dänische Unternehmen ihre Aktivitäten verstärkt in das deutsche Windland Nummer Eins verlegen.

 In Dänemark selbst hat die Entscheidung, die Offshore Parks südlich von Lasso (88 Anlagen), Omo (80) und Gedser Rev (80 ) zu stoppen unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. 900 Millionen Kronen jährlich will Bendtsen durch den Stopp einsparen, da die Kilowattstunde Strom 17 Öre, die durch Windanlagen erzeugte aber 60 Öre kostet. Zusätzlich, rechnete der Minister vor, würden Milliarden an Baukosten eingespart. Das Argument, ein Gegner der Windkraft zu sein, ließ er nicht gelten, schließlich würden sieben der geplanten zehn Offshore-Parks weitergebaut.

 Ornithologen in Dänemark sind begeistert, hatten sie doch in der Vergangenheit immer wieder auf die große Gefahr für die Tiere durch die auf dem Meer stehenden Windmühlen hingewiesen.

 Peter Hostgaard-Jensen, Direktor bei dem dänischen Energieversorger Elsam, das gegenwärtig einen OffshorePark bei Horns Rev (vor Esbjerg) in der Nordsee baut, betonte gegenüber unserer Zeitung, dass er von den Entscheidungen nicht überrascht worden sei. "Alle in Dänemark haben mit Einschnitten gerechnet." Hostgaard-Jensen kündigte an, dass sein Unternehmen sich jetzt, nachdem der eigene Plan bei Lagsso einen weiteren Park zu bauen, gestoppt worden sei, im Ausland umsehen will. Er deutet an, dass Schleswig-Holstein ein interessantes Terrain werden könnte. Man sei noch nicht in konkreten Verhandlungen, habe aber die Fühler schon ausgestreckt.

 Langfristig, bestätigte der Elsam-Direktor, könnte die Entscheidung allerdings für die Hersteller von Windkraftanlagen Probleme nach sich ziehen. So gelte nach wie vor dass die dänischen Produkte auch im eigenen Land getestet worden seien. Sie würden daher international eine hohe Wertschätzung genießen. Hostgaard-Jensen befürchtet, dass langfristig dieser Kredit wegen fehlender Aufstellmöglichkeiten im eigenen Land verspielt werden könnte. "Doch vielleicht ändert sich die Energiepolitik ja wieder, sagt der Direktor.

 Sollten die Dänen nach Schleswig-Holstein vordringen, dann finden sie ein bestelltes Feld vor. Erst dieser Tage stellte die Genehmigungsbehörde, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ein Standarduntersuchungskonzept vor.

 An der Entwicklung waren neben den Fachleuten des BSH auch externe Umwelt- und Naturschutzexperten beteiligt. Gegenwärtig liegen dem BSH 29 Genehmigungsverfahren vor.

 Der Kieler Energiestaatssekretär Voigt hält es für realistisch, dass der erste schleswig-holsteinische Offshore-Park im Jahr 2004 Strom in das Netz einspeist. Das Projekt Sky 2000 in der Lübecker Bucht, so Voigt, gehe jetzt in das Raumordnungsverfahren und dürfte darin vermutlich 2003 mit einer Genehmigung rechnen. Drei weitere Parks in der Nordsee, einer bei Helgoland und zwei nordwestlich von Sylt, könnten vermutlich in den Jahren 2005/2006 mit der Stromproduktion beginnen. Hauptproblem sei allerdings dort die Anbindung an Land. Die Seekabel müssten vermutlich durch den Nationalpark gelegt werden. Voigt rechnet mit Protesten von Seiten des Naturschutzes und im Falle einer Genehmigung mit Ausgleichszahlungen, die auf die Betreiber zukommen würden.

 Gegenwärtig erzeugen in Schleswig-Holstein 2.305 Windkraftanlagen Strom. Allein im vergangenen Jahr, so teilte Energieminister Claus Möller in Husum mit, seien 302 neue Anlagen ans Netz gegangen. Installiert ist damit eine Gesamtleistung von 1502,5 Megawatt. Diese Leistung hätte dazu ausgereicht, 25 Prozent des Strombedarfs des Landes zu decken.

 Da das vergangene Jahr aber ein ungewöhnlich windschwaches Jahr war, seien nur 17,3 Prozent des Landesstrombedarfs erzeugt worden, nämlich 2.250 Gigawattstunden. Zusammengerechnet erhielten die Windmüller in Schleswig-Holstein im Jahr 2001 rund 205 Millionen Euro als Vergütung.

sh:z Husumer Nachrichten 29.01.02
 

 

05.02.2002http://WilfriedHeck.tripod.com