Make your own free website on Tripod.com
 
Brief an MdB Hermann Scheer


Sehr geehrter Herr MdB Scheer. 
Sie greifen in einem offenen Brief die Initiative der CDU/CSU Abgeordneten v. Stetten und Brunnhuber wegen des "Wildwuchses von Windkraftanlagen an. Ihr Brief ist aber neben ein paar tatsächlichen Sachverhalten auch eine Anreihung von Sachverdrehungen und Emotionsweckversuchen in Richtung Atomgegner. Außer mir selbst, sind viele Genossen an der SPD-Basis vor Ort und nicht nur in diesem Teil von Hessen, inzwischen ganz der Meinung der Initiatoren aus der CDU. Sie, Herr Scheer und nicht diese Initiatoren, sind der einseitige Seher, der die eigene Ideologie einfach durchpeitschen will und dem dazu offenbar fast jedes Mittel recht ist.

Im einzelnen gehe ich aber nun auf Ihre Argumente ein:
Sie verschweigen, daß Atomkraftwerke kühlwasserbedingt immer in Flusstälern aber nie auf ausgesetzten Berghöhen gebaut wurden. Genau das passiert aber mit Windkraftanlagen. Sie stellen es dar, als ob Windräder Atomkraftwerke ersetzen könnten. Das ist etwa so wahr als wenn man mit Fahrraddynamos einen Elektroherd von 380 Volt betreiben könnte. Woher kommt denn der Öko-Windstrom bei den vielen leider auch ökologischen Windstillen??? Wieviel Windräder benötigt man, um ein Atomkraftwerk wie Biblis zu ersetzen?

Warum schreibt sogar Greenpeace, daß Windräder allenfalls eventuell mal Mittellast-Kraftwerke tlw. ersetzen könnten aber niemals Grundlast-Kraftwerke? bekanntlich sind Atomkraftwerke aber Kraftwerke der Grundlast. 

Zum § 35 hat sich in der Realität ergeben, daß alle Gemeinden unbedingt Vorranggebiete ausweisen müssen, ansonsten überall im Gemeindegebiet Windräder gebaut werden können. Das zwingt auch die kleinste und flächenmäßig völlig ungeeignetsten Gemeinden zu solcher Handlung. Wo aber die Gemeindevertreter wahrlich keine Flächen ausweisen können, weil keine da ist die man gutwillig ausweisen könnte oder weil sie etwa Fremdenverkehr haben, der dann wegbleibt usw., wollen Investoren tlw. dort einfach an Ortsrändern bauen. Die Aufsichtsbehörden haben da bisher tlw. blind im Sinne von Windkraft entschieden.

Zwei Tatsachen sind durch statistische Zahlen belegbar, nämlich daß stark windradverbaute Mittelgebirgsregionen zunehmend schwere Einbrüche im Tourismus hatten. Dies hat Arbeitsplätze vor Ort in strukturschwachen gebieten vernichtet. Und daß die in der Windkraft entstandenen neuen Arbeitsplätze durch die Finanzierungen der Windräder über Zuschüsse und Steuerabschreibungen durch den Bund, unter dem Strich höher subventioniert sind, als sogar die Arbeitsplätze im Bergbau.

Im Gegensatz zu Ihrer Rechtsauffassung, daß die Gemeinden mit Gebietsausweisungen andere Flächen von einer Bebauung ausschließen können, steht der Verlauf eines Musterprozesses vor dem OVG Koblenz. Hier versucht ein Investor den Bau von Windrädern auch in ausdrücklich ausgeschlossenem Gebiet zu erzwingen, obwohl im Gemeindegebiet andere Windradflächen ausgewiesen sind. Das OVG hat dem zwar bisher noch widersprochen, aber wegen der Grundsätzlichkeit ausdrücklich Revision zugelassen. Hat die Revision aber erst einmal Erfolg, bedeutet das aber totale Anarchie beim Bau von Windrädern im ganzen Land und in allen Schutzgebieten..

In der Realität kommen finanzstarke Investoren mit Geldbündeln zu den Grundbesitzern und wollen Flächen für die Windräder pachten und sorgen für schwere Streitigkeiten vor Ort in Gemeinden bis hinein in die Familien. In der Realität machen finanzstarke Geldinvestoren mit den Windrädern knallharte Geschäfte auf Kosten aller Steuerzahler. In den Prospekten dieser Firmen steht meist noch nicht einmal als Feigenblatt das Wort "Öko" sondern hier steht "Profitable Gewinne" "Steuerabschreibungen" und das ist letztendlich dann die angeblich in der SPD ideologisch so verpönte Umverteilung der Gelder von UNTEN nach OBEN. 

Für Sie ist nach Ihren Worten ein Landschaftsbild nichts zu schützendes, sondern eine "abstrakte Wahrnehmungsästhetik". Damit disqualifizieren Sie sich völlig als Naturschützer. Wenn eine Landschaft voller technischer, sich drehender Spargel in Höhen bis über 150m noch "Natur" ist, so sind SIE der von der realen Natur bereits entfernte und abgehobene Exote und nicht die Initiatoren des Änderungsentwurfes oder ich selbst. 

Wir haben im Gegensatz zu Ihnen noch einen realen Bezug zum Bild und dem Anblick der Landschaft, die unsere gewachsene Heimat ist und deren Zerstörung mit Windrädern einen Bezugsverlust bedeutet. Es ist ohnehin fast unglaublich, daß ausgerechnet unter einer rot-grünen Bundesregierung, mit GRÜNEM Umweltminister, die größten Veränderung und Naturzerstörung mit massiven Eingriffen des Windradbauens in den Außenbereich ergibt, seit Existenz der Naturschutzgesetzgebung überhaupt. Dieser Vorgang ist in der Naturschutzgeschichte, so bisher einmalig und keinesfalls mit den früheren Ausnahmegenehmigungen einiger Atomkraftwerke in den Flusstälern auch nur annähernd vergleichbar. 

Im Übrigen ersetzen die Windräder niemals die Atomkraftwerke und Kohlekraftwerke schon aus technischen Gründen der zu geringen Kapazität und der Windstillen. Damit erhält man bei Ihrem Credo eine für unser "abstraktes" Denken, zerstörte Landschaft und dennoch unverändert weiterhin Atommüll, Waldsterben und Bodenerosion in praktisch genau demselben Umfang wie bisher. Ihre Argumente würden allenfalls dann etwas stichhaltig sein, wenn ab sofort kein konventionelles Kraftwerk mehr arbeiten würde und das ist aberwitzig in unserer Industriegesellschaft. Es ist genauso unwahr, daß mit jeder Windradumdrehung irgendwo anders Kohle- oder Atomstrom gespart würde. 

Windstrom wird nur doppelt so teuer ZUSÄTZLICH produziert, weil allein ein Kohlekraftwerk um die 4 Stunden für ein Hochfahren benötigt und gar nicht so einfach ein- und ausschaltbar ist, wie die Windströme permanent schwanken. Demzufolge darf man sogar ungelogen sagen, daß alle Windräder zusammen, keinerlei meßbaren Einfluß oder Anteil am Emissionsausstoß und auch dem Atommüll der nächsten 15 Jahre haben werden.

Im übrigen erinnere ich mich an Ihre Pläne von 150.000 Windrädern im ganzen Land. da dies aber schlicht so um 112 Billionen Euro kosten würde, wovon der Bund gut 90% bezahlen müßte, ist das schlicht Traumtänzerei und unbezahlbar. Die 12.000 Windmühlen stehen vorrangig auf hohen Berghöhen und sind bis zu 170m hoch. Dagegen sind die Strommasten von Hochspannungsleitungen ganz selten auf solchen Höhen, ungleich filigraner als Windräder, haben keine beweglichen Rotoren und sind im Schnitt nur maximal ganze 30 - 35m hoch!! Viele Masten sind bedeutend niedriger und unauffälliger dazu. Das ist ein beachtlicher Unterschied zu den 150 - 170m von Windrädern, immer auf den höchsten Erhebungen! 

Sie lügen schlicht, wenn Sie schreiben, daß durch Windräder Hochspannungsmasten abgebaut werden könnten. Man kann in der Fachliteratur oder auch im Handelsblatt nachlesen, daß gerade durch die Windkraft die Stromleitungsnetze sogar noch AUSGEBAUT werden müssen, allein um die Schwankungen durch den Windstrom einigermaßen auszugleichen. Dazu müssen sich die Stromflüsse tlw. erst einmal umkehren lassen, was bisher nur vom Großen (Hochspannung) ins Kleine (Niederspannung) einseitig erfolgte. 

Die "Landschaftsprägungen" der Windräder sind im Gegensatz zu Ihrem Argument diejenigen, die gemessen an dem immensen Eingriff in das Landschaftsbild, eine schon wahrhaft lächerlich geringe Energiemenge erzeugen und diese Energiemenge auch noch nicht einmal fest berechenbar wie bei Kraftwerken sondern nur sehr schwankend leisten. 

Der weitere Ausbau der Windkraft dient also nur IHREM ALIBI, für eine Ideologie des Ausstiegs aus der Atomkraft, die real gar nicht vor 30 Jahren Dauer geht, wenn überhaupt und für die dazu auch unverzichtbar ist, bei Energieknappheit eben auf französischen oder osteuropäischen Atomstrom schnell zurückgreifen zu können. 

Gerade linkslastige intellektuelle Menschen, mit schlechtem Gewissen wegen des eigenen Stromverbrauches und dazu idealerweise geringen technischen Detailkenntnissen, sind die besten und dankbarsten Windstromfreunde. Sie bezahlen gern freiwillig für den Strom aus der Steckdose mehr Geld, um das eigene Gewissen wegen Atommüll und Weltklima zu beruhigen und zu entlasten. Dann kommt zu allem noch die Zeitbombe, daß für Windräder derzeit laschere TÜV-Prüfungen angeordnet sind, als für jeden Kleinwagen. 

Allein im hessischen Vogelsberg sind bereits 3 Windräder in 2 1/2 Jahren umgebrochen und tonnenschwere Teile flogen dabei bis zu 150 m übers Land. Spätestens wenn der erste Mensch durch ein Windradteil erschlagen wurde, werden Gerichte dazu nachfragen und die laschen Vorschriften anprangern. Dann müssen wohl über Nacht viele Windräder erst einmal aus Sicherheitsgründen stillgelegt werden. 

Vor radioaktiven Strahlen und um Funkwellen, machen Leute wie Sie sich Gedanken. Was die damit technisch verwandten starken Infraschallwellen der Windräder an der Gesundheit der anwohnenden Menschen ausrichten, neben dem Lärm, dazu hört man von Ihnen bisher nichts. Das wird wohl auch so lange ignoriert, bis eines Tages Gerichte das alles stoppen lassen müssen. 

Herr Scheer, wenn Sie das alles ignorieren und weiterhin Ihren seltsamen und weltentrückten Vorstellungen nachlaufen, dann sind für mich restlos unglaubwürdig geworden und sowas ist dazu noch ein Umweltpreisträger. Was ist das für eine Bundes-SPD-Fraktion, die Leuten mit solchen schwachen und dazu "abstrakten" Argumenten und abenteuerlichem Technikdenken wie Ihrem, zumindest bisher offensichtlich allzu gutgläubig und kritiklos folgten. Ich habe aber die Hoffnung, daß sich auch hier doch viele verantwortungsbewußte SPD-Abgeordnete selbst ihre eigenen Gedanken dazu machen, Argumente und Fakten abwägen und danach womöglich doch zu anderen Endergebnissen kommen, als Sie, Herr Scheer.

Immerhin wird die in Köln begonnene Skandalfolge der SPD eines Tages auch den Bereich "Spenden der Windkraftlobby" erreichen, danach sieht alles wohl wieder ganz anders aus...

Mit freundlichen Grüßen
Werner Eisenkopf
65594 Runkel, SPD-Mitglied, Technikentwickler, Naturschützer, Windkraftgegner
 
 

13.03.2002http://WilfriedHeck.tripod.com