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Rauher Ton bei Info-Veranstaltung zum Schmarloh
Windkraftgegner sprechen von "Korruption"

HOHNE (bo). Die Mitglieder des Vereins "Schmarloh ohne Windkraft" gaben sich am Sonnabend kämpferisch: Null-Lösung für den Schmarloh, und am besten überhaupt keine Windenergie. Der Ton war bei der Informationsveranstaltung in Hohne nicht immer sachlich.
"Wer an diese Zukunft glaubt, irrt sich", stand auf dem Lichtbild, das am Sonnabend die Besucher im Saal des Gasthauses Krüssmann begrüßte. Neben der Schrift: ein Windrad.

Das Bild war symbolisch für die Botschaft der Veranstaltung, denn eins wurde klar: Den Vertretern des Vereins "Schmarloh ohne Windindustrie" ging es nicht nur um einen windradfreien Celler Ostkreis - es ging auch gegen Windkraft im Allgemeinen.
Der Hauptredner des Nachmittags, der Garßener Windkraftgegner Horst Reichel, bezeichnete die Windenergienutzung als "ökologische und ökonomische Mogelpackung". Und wäre Hohnes Bürgermeister anwesend gewesen, hätte er sich einiges anhören müssen. "Erhard Thölke spricht nicht mit uns", hieß es da von Seiten der Windkraftgegner.

Ein Vorwurf, den dieser energisch zurückweist: "Es grenzt langsam an Verleumdung." Er habe dem Verein stets Gesprächsbereitschaft signalisert, sagte Thölke der CZ. Die Einladung zur Informationsveranstaltung habe er erst fünf Tage vorher erhalten, schon etwas anderes vorgehabt und in seiner schriftlichen Absage nochmals seine Bereitschaft zum Dialog erklärt. Zur Planung des Windparks sei der Stand der Dinge, daß dem Landkreis noch ein Gutachten fehle. Das Ergebnis der Prüfungen liege vielleicht Ende des Jahre vor.

Der Ton wurde am Sonnabend noch rauher: Reichel sprach im Zusammenhang mit Geldern, die bei Realisierung des Windparks jährlich an die Gemeinde Hohne fließen sollen, von "Korruption". Heinrich Brammer, Hohner Ratsherr und einer von drei Kommunalpolitikern unter den rund 80 Zuhörern, wehrte sich gegen die Formulierung: "Das ist Geld, das der Allgemeinheit zugute kommt, und ein solches Vertragswerk ist einzigartig in Europa." Angesichts der Anti-Wind-Stimmung im Saal sagte Brammer, als der nach dem Vortrag in die Diskussion eingriff, er fühle sich, als sei er "beim Stand von 0:5 eingewechselt worden".

Reichel hatte zuvor noch einmal die Argumente der Windkraftgegner auf den Tisch gebracht: Ein nennenswerter Beitrag zur Energiewende sei mit Windkraft nicht zu machen, diese sei "ohne Bedeutung für die Energie- und Schadstoffbilanzen". Der "Verlust an Lebensqualität", den seiner Meinung nach Windräder mit sich bringen, sei daher nicht gerechtfertigt. Er verwahrte sich noch einmal ausdrücklich gegen Anschuldigungen, Beziehungen zur Atomwirtschaft zu pflegen.

Die von den Gegnern befürchteten Folgen von Windrädern: negative Auswirkungen auf Landschaft und Tourismus, sinkende Landpreise, Schallemissionen und vieles mehr. Reichels Aufforderung an die Gemeinde: den Schmarloh nicht für Windkraft freigeben. Denn dann könne auch niemand von oben den Bau der Anlagen verordnen: "Die rot-grüne Spinnerregierung kann die kommunale Selbstbestimmung nicht aushebeln." Dafür gab es Applaus im Saal. Auch das Wort vom "kaputten Dorfleben" machte am Sonnabend die Runde. Ein Anwesender meinte allerdings beobachtet zu haben, daß "hier gar nicht so viele Hohner sind"....
 

Cellesche Zeitung vom 17.05.2001

21.05.2001http://WilfriedHeck.tripod.com