Make your own free website on Tripod.com
  
Schleswig-Holstein / Hamburg
Unwirtschaftlich: Die Entzauberung der Offshore-Windparks
Energie-Experten warnen vor Investitionsruinen in den Meeren

Kiel/Hamburg 
Thomas Schunck

Die Begeisterung der Befürworter von Offshore-Windparks - Windanlagen im Meer vor der Küste - steht offenbar in direktem Gegensatz zu dem Nutzen derartiger Anlagen. Die Entzauberung hat begonnen: Der Energieexperte in der schleswig-holsteinischen Landesverwaltung, Dr. Gustav Sauer, und der Hamburger Fachmann Lothar Schedereit sprechen jedenfalls von einer grundlosen Jubel-Mentalität in Kreisen der überbegeisterten Offshore-Windakteure. In ihrer eben vorgelegten Expertise rechnen sie vor, dass es für diesen jubel keinerlei Anlass gibt. Ihr Fazit: Offshore-Windanlagen sind unwirtschaftlich, locken ohne wirklich reizvollen Hintergrund Investoren in diesen Geschäftsbereich und sind auch in der Energiebilanz höchst fragwürdig. Am Ende drohten sogar Investitionsruinen in den Meeren, für die womöglich der Steuerzahler aufzukommen habe.

Sauer und Schedereit kritisieren vor allem, dass heute "die Windgemeinde voluntativ bejubelt", dass energiepolitisch via Offshore-Anlagen bald alles gut werde. Im Klartext: Die begeisterten Befürworter lügten sich in freudiger Erwartung selbst in die Tasche, wenn sie von energetischen und wirtschaftlichen Gewinnen der Anlagen sprächen. Entscheidender Fehler dabei sei, dass die Offshore-Fans in allen Erwartungsrechnungen die wichtigen Faktoren Ausfall und Wartung nicht einkalkuliert hätten. "Damit zeichnet sich am Horizont ein Investitionsgrab ab", stellen die Experten nüchtern fest.

Die Kritiker gehen davon aus, dass Offshore-Windenergienutzung heute sicherlich machbar sei. Die Wirtschaftlichkeit indes sei "zu verneinen", sagen Sauer und Schedereit. Problematisch sei, dass vor dem Hintergrund des heutigen Anlagengenehmigungsrechtes niemand gehindert sei, unwirtschaftliche OffshoreWindanlagen zu betreiben. Übrig blieben wahrscheinlich Investitionsruinen in den Meeren. Sauer/Schedereit: "Es bleibt abzuwarten, ob diese Ruinen alsbald der öffentlichen Hand anheimfallen“. Sie vergleichen diese Schreckensvision mit dem Fiasko geschlossener Immobilienfonds in Berlin und den neuen Ländern.

Energiepolitisch seien Offshore-Anlagen zudem unsinnig, solange es die aktuellen netztechnischen Probleme gebe. Demnach gebe es Netzinstabilitäten, die in Norddeutschland von den Kernkraftwerken ausgebügelt werden müssten. Auf diesem Wege komme es zu einer notwendigen Allianz, sagen Sauer und Schedereit: "Kern- und Windenergie sind zwar verheimlichte, aber umso innigere ,Schwestern im Netz'." Im Übrigen unterminiere "das privatinvestitionsgestützte Faszinosum Windenergie" die Klimaziele. Die Einspeisevergütung - gedacht als Investitionsanreiz - werde kontraproduktiv. So werde mit der Nutzung von Offshore-Windenergie diese Dauersubvention aus dem Portemonnaie der Stromkunden weitere 20 Jahre fortgeschrieben.

sh:z vom 21.06.2002
 

E-mail-Kontakte:             GustavW-Sauer@aol.com         und             lothar.schedereit@renorga.de


Weitere Infos zu diesem Thema:
Energie: An Rentabilität von Offshore-Windparks gibt es Zweifel
In rauer See

23.06.2002http://WilfriedHeck.tripod.com