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Es wird weiter geklotzt
Obwohl wir hier in RLP ein ganz aktuelles und ziemlich gutes, sogar im Auftrag der Behörde erstelltes Gutachten haben, das sogar Abstandsempfehlungen und dergl. enthält, wird fleißig nach "bewährter" Methode weiter geklotzt!

Schon die "Informationen der Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe" (Nr. 24, 6/1998) enthielten hinsichtlich des Vogelschutzes eindeutige, unmissverständliche Aussagen! Das Landesumweltamt weist darin auf hohe avifaunistische bzw. funktionale Bedeutung der Fläche ausdrücklich hin. Vgl. Karte 2: "Lebensräume hochgradig bedrohter Bodenbrüter" (u. a. Weihen). Die dort grafisch hervorgehobenen Flächen sind gemäß der Forderung des Landesamtes für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht von Windkraftanlagen zur Sicherung der Lebensräume hochgradig bedrohter Bodenbrüter und der Rastplatzfunktion für durchziehende Vögel freizuhalten. - Ilbesheim, Flomborn, Ober-Flörsheim befinden sich in den grafisch hervorgehobenen Bereichen. Ganz genau dort hat man nach bewährter Salamitaktik 19 WKA genehmigt! UVP fiel flach, und man bestritt vehement, daß dieses Gebiet ein "faktisches" Natura-2000-Gebiet ist! - Das alles ist ohne Wissen des Landesumweltamtes geschehen.

Im Auftrag des Landesumweltamtes Rheinland-Pfalz erstellte die (unabhängige) Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e. V. während dessen die "Materialen zum Konfliktfeld 'Vogelschutz und Windenergie' in Rheinland-Pfalz, Lebensräume störempfindlicher Vogelarten - Vogelzug an Windkraftanlagen - Handlungsempfehlungen". Seit einem Jahr wird die Publikation mutwillig verzögert bzw. zurückgehalten!!!

Die Arbeit sollte schließlich Anfang dieses Jahres (zuerst Feb., dann April, dann keine Zeitangabe mehr ...) erscheinen und zugleich auf den Internetseiten der SGD Nord veröffentlicht werden. Sie wurde mittlerweile zwar "offiziell vorgestellt", ist aber immer noch nicht zu haben! - Ursache der "Blockade" sind die für die Windenergienutzung wenig "schmeichelhaften" Aussagen, die der Frau Ministerin und einigen angehörigen ihres Stabes partout nicht gefallen wollen. - Fragen Sie doch bitte einmal beim Ministerium oder dem LfUG an, ob man Ihnen eine "GNOR-Studie" verkauft (kostet nicht viel, ca. 25.- DM) ...

Ich besitze eine "inoffizielle" Version des GNOR-Gutachtens (Ausgabe "Mainz Oktober 2000", diese Version ist identisch mit der "inoffiziellen September Ausgabe").

Das Landesumweltamt in Oppenheim (im April 2000 Allgemeine Zeitung) und die GNOR (S.46 der Oktober 2000-Version) fordern den Rückbau der Windindustrieanlagen bei Ilbesheim und Flomborn, die genau in den Lebensraum hochgradig bedrohter Bodenbrüter aufgestellt wurden, obwohl diese Gebiete von Windrotoren freigehalten werden sollten.

Das GNOR-Gutachten zur Ermittlung definierter Lebensraumfunktionen bestimmter Vogelarten, Vogelzug, Brut- und Rastgebiete weist Brut- und Mausergebiete von hoher funktionaler und landesweiter Bedeutung für Vögel (speziell Weihen) aus, die im Anhang I der europäischen Vogelschutzrichtlinie (79/409 EWG) als streng zu schützende Vogelarten geführt werden und für die Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Nach Angaben der GNOR beträgt die Größe von Jagdrevieren der Wiesenweihe und damit ihr Raumbedarf zwischen 500 und 800 ha. Aufgrund des hohen Schutzstatus sowie der Sensibilität dieser Vögel fordert die GNOR weiträumige Ausschlußgebiete für die Windenergie. Dies schließt alle aktuell bekannten Brutgebiete und solche, die in jüngerer Vergangenheit besetzt waren (vergangene 10-15 Jahre) ein! Ebenso fordert die GNOR Ausschlußgebiete für WKA im Umkreis von 2 km(!!!) zu Brutgebieten (auch anderer) geschützer Vogelarten (S. 150) (für Zugvögel 4 km!)! - Entgegen anders lautender Behauptungen (von der Windbranche) findet keine "Adaption" der WKA seitens der Vögel statt. Sie weichen auf freie Flächen (soweit vorhanden) aus oder verschwinden ganz. (Es gibt Arten, z.B. Bussard, Lerche, Turmfalke), die sich allem Anschein nach an Windrotoren gewöhnt haben, während Weihen lieber außerhalb des Rotorparks bleiben. Allerdings will ein Vogelkundler ein Rohrweihenmännchen gesehen haben, das den freien Raum zwischen zwei Anlagen durchfolg).

Vogelzug
Den hohen Wert des Gebietes für den Vogelzug (EU-Vogelschutzrichtlinie) stellt das GNOR-Gutachten auf S. 109 ff dar. Die besondere Bedeutung des Rheinhessischen Hügellandes für den Breitfrontvogelzug generell, wie die Hochebene im Besonderen für Rast- und Gastvögel belegen entsprechende Karten und Tabellen. (In Hinblick auf Artikel 4 und die nach Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie besonders geschützten Arten sei auf weitere in der GNOR-Untersuchung nicht erwähnte Arten hingewiesen, z. B. Schleiereule, Steinkauz, Uhu, (Fledermäuse, Insekten) usw.)

Ganz Rheinland-Pfalz wird alljährlich zwei Mal von Millionen von Zugvögeln überflogen (S. 115), wobei es aus verschiedenen Ursachen (u. a. Wetterlage) zu Zugverdichtungen, geringfügigen Abweichungen von Zugwegen und dgl. kommen kann (S. 108). Auf S. 127 warnt die GNOR davor, daß WKA-Betreiber und -planer vermutlich die nie 100% genauen Vogelzugkarten für "Fehlinterpretationen" ("zugvogelfrei") zu ihren Gunsten verwenden könnten, S. 127.

Den Agararlandschaften als Ratgebiet für Zugvögel widmet die GNOR ein eigenes Kapitel (S.141) und betont, daß gerade "ausgeräumte Agrarlandschaften" eine hohe, bislang wenig erkannte Rastplatzfunktion für (gefährdete) Zugvögel aufweisen. "Hier ist die innere Qualität der ansonsten intensiven landwirtschaftlichen Produktionsstandorte zu erkennen und ein neuer landschaftsplanerischer Bewertungsansatz für solche Flächen zu fordern. Gebiete mit dem Nachweis traditioneller Rastplätze verdeutlichen, daß Agrarlandschaften zu bestimmten Jahreszeiten besondere Funktionen (Rast-, Nahrungs-, Ruhe-, Sammel-, oder Mauserplatz) bieten und dann für Zugvögel höchst attraktiv sind. Der Verlust von Rastflächen bedeutet einen in seiner Auswirkung noch nicht abzuschätzenden erheblichen Eingriff in das endogen gesteuerte circannuelle Zugprogramm von wandernden Vogelarten."

"Die Vögel fliegen jedoch nicht einfach Nonstop über die Landesfläche hinweg, sondern suchen teilweise gezielt Rastplätze auf. Bei diesen Zugvögeln handelt es sich in großem Maße um nordosteuropäische Brutpopulationen. Dementsprechend hoch ist bei uns die Verantwortung für Zugvögel und den Schutz der Rastflächen. Rastgebiete sind für Zugvögel Nahrungsplätze (an dem die Tiere durch Nahrungsaufnahme die Fettdeposition für den Weiterflug vornehmen), Sammelplätze, Ruhe und Mauserplätze." Sie fordert den großräumigen Schutz solcher Gebiete (siehe S. 147 und S. 148 ff Tabuzonen, SPA etc).

Ein behördliches Gutachten, das die Steuerzahler finanzierten, wird mittels "Gutachten", die die Windbranche in Auftrag gibt, mit Unterstützung des Umweltministewriums und anderer statl. Stellen niedergemacht.

Rheinland-Pfalz hat sogar schon einen "Maßnahmenkatalog" für die im Meldeverfahren befindlichen Vogelschutzgebiete. In Offenlandbiotopen, die sowohl für Zugvögel als auch Weihen von hoher funktionaler Bedeutung und deshalb meldepflichtig sind, sollen die Ackerflächen erhalten, aber Windkraftnutzung ausgeschlossen sein!!!! - Diesen Maßnahmenkatalog lehnen unter anderen auch die Funktionäre des regionalen Bauern- und Winzerverband "gundsätzlich" ab! Während die einzelnen Bauern und Winzer überhaupt nichts gegen das Vogelschutzgebiet haben. Im Gegenteil, sie sind stolz darauf!

Hier offenbart sich vor dem Hintergrund der Strafandrohnungen der EU (zig-tausend Mark pro Tag) der wahre Umweltskandal ...

Mit freundlichen Grüßen

Trude Fuchs
 

29.07.2001