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Die Ulmbacher und ihre Nachbarn wehren sich heftig
Eine Bastion gegen Windkraft
Zu hunderten kamen die Zuhörer - vorwiegend Windkraftgegner - nach Ulmbach

Steinau-Ulmbach (sta). In Scharen waren sie gekommen, die Bewohner von Ulmbach und Umgebung, denn das Thema, das am Montagabend zur Diskussion stand, geht sie alle an und schürt seit Monaten die Emotionen. Proppenvoll war der große Saal der Ulmbacher Gaststätte "Deutsches Haus". Die Mitglieder der Interessengemeinschaft gegen Windkraft in Ulmbach und Umgebung (IG), die die Veranstaltung organisierte hatten, und die Mehrzahl der Ulmbacher sind sich einig: Beim Widerstand gegen den geplanten riesigen Windpark geht es um den Erhalt ihrer Heimat.

60 bis zu 150 Meter hohe Windräder könnten sich bald auf dem Hochplateau bei Ulmbach auf der riesigen Fläche drehen. Ihr Schattenwurf, das Dröhnen der Rotoren, die Gefahr des Eiswurfs und ihre optische Wirkung würden die Existenz Ulmbachs als Luftkurort in Frage stellen und Arbeitsplätze im Fremdenverkehr vernichten, meinen die Gegner. Bauland würde im Wert sinken. Ulmbach und die Nachbardörfer Sarrod, Ürzell und Neustall drohe der allmähliche Verfall. Ein Schreckensbild, das viele der Anwesenden vor Augen hatten. Doch die Gäste auf dem Podium machten den Zuhörern Mut, den Kampf mit den Behörden - vor allem Regionalversammlung Südhessen und Regierungspräsidium Darmstadt - aufzunehmen. Zur Einleitung zeigte der Sprecher der IG, Arnold Flach, einen Ausschnitt aus einer ZDF-Reportage. Urteil: Die Nutzung von Windenergie ist zur Zeit eher ressourcenvernichtend als schonend. 

Pfiffe für den Rathauschef
Der Bochumer Anwalt Christian Hagemeier, der die Interessen von 75 Bürgern gegenüber den Windkraftbetreibern vertritt, skizzierte rechtliche Möglichkeiten. Dem Steinauer Bürgermeister Hans-Joachim Knobeloch warf er vor, die IG nicht ausreichend zu unterstützen. "Gewähren Sie uns endlich Akteneinsicht und sagen Sie uns, wie Sie weiter gegen den Windpark vorgehen wollen.
Am 5. Februar laufe eine wichtige Einspruchsfrist ab, und er befürchte, dass der Magistrat noch keine Klage vorbereitet habe. "Die Bürger erwarten vom Magistrat, dass er alles tut, um den Beschluss des Parlamentes vom 25. September umzusetzen. Alles zu tun, um die Windkraftanlagen zu verhindern. 

Knobeloch wehrte sich. Die IG sei kein Verein, daher gebe es in punkto Akteneinsicht rechtliche Probleme. "Außerdem gibt es in Steinau auch Befürworter der Windräder, denen müsste dann das gleiche Recht zugestanden werden." Buh- und Pfui-Rufe zeigten dem Bürgermeister, dass er mit seiner Position auf wenig Gegenliebe stößt. 

Der Landrat des Vogelsbergkreises, Rudolf Marx, erntete großen Beifall für seine aufmunternden Worte. "Sie sind keineswegs chancenlos im Widerstand gegen die Windräder." Im einschlägigen heiße es, die Windräder dürften errichtet werden, "wenn keine höheren Interessen dagegenstehen". Der Landrat: "Die gewaltige Kraft der Bürger steht dagegen, welche höheren Interessen soll es in einer Demokratie noch geben?" Sein Kreis sei der am dichtesten mit Windrädern besiedelte in Hessen und habe viele negative Erfahrungen gemacht: "Wir haben uns vor zwölf Jahren von den Argumenten der Umweltschützer blenden lassen. Und die Anlagen waren bei weitem nicht so groß. Heute wissen wir, daß es ein Fehler war.

Utopie grüner Träumer. 
Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann forderte die Bürger auf, gegen die Zerstörung ihrer Heimat zu kämpfen. Die Privilegierung der Windkraft müssen zurückgenommen, der Mindestabstand zur Wohnbebauung auf eineinhalb Kilometer erhöht werden. 
MdB Martin Hohmann
MdL Hessen Dr. Norbert Herr
Der CDU Landtagsabgeordnete Dr. Norbert Herr stellte die Windenergie als eine "von grünen Träumern und er Windkraftlobby am Leben gehaltene, doch in Wahrheit bereits tote Utopie" dar. "Sie werden erst diesen überdimensionierten Anlagen ausgesetzt, deren Strom zu unregelmäßig fließt und zu teuer ist, und dann müssen Sie über Ihre Steuer noch die Subventionen dafür bezahlen", empörte er sich. 
Steinaus SPD-Bürgermeister Knobeloch warf den CDU-Politikern vor, der Linie ihrer Partei zu widersprechen. "Die damalige CDU-FDP-Regierung hat die Privilegierung und Subventionierung von Windkraft beschlossen, und auch die heutige hessische CDU-FDP-Regierung fördert sie". 

So endete der Abend im Wahlkampf, denn Herr ließ es sich nicht nehmen, die Landesregierung zu verteidigen und die Schuld der angeblich rot-grün dominierten Regionalversammlung und dem Regierungspräsidium anzukreiden.
Für die Ulmbacher war es wichtig, dass sie neuen Mut geschöpft haben und sich in die Rolle von Asterix und der übrigen Einwohner eines berühmten gallischen Dorfes versetzt fühlten. Nur dass sie nicht die letzte Bastion gegen Römerlager in ganz Gallien, sondern gegen Windkraftanlagen im ganzen Vogelsberg halten.
GNZ vom 16.1.2002, Main-Kinzig-Kreis

24.01.2002http://WilfriedHeck.tripod.com