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Wolfgang Thüne
Wächst Windenergie wie Spargel aus dem Boden?
Zum Mythos vom Wind als unerschöpflicher Stromquelle


Wer kennt sie nicht, die mal stehenden mal sich drehenden Windräder, die wie riesige Spargel aus dem Boden wachsen. Einzeln sehen sie durchaus imposant aus, doch in Gruppen wirken sie beängstigend. Als Massenware stören sie unser ästhetisches Landschaftsempfinden, verschandeln sie das Landschaftsbild. Ihnen fehlt das gewisse Etwas, die vertraute Ästhetik, die die alten Windmühlen auszeichnete. Sie strahlen kalte Brutalität aus, die für so manchen Vogel zum Verhängnis wird. Wer gar der Geräuschkulisse wie dem penetranten Schattenwurf durch die Rotoren ausgesetzt, der empfindet die Windkolosse als dauerhafte Bedrohung. Eine mit Windrädern gesäumte Küste lädt wahrlich nicht zur Erholung ein.

Doch bei der Windkraft scheiden sich die Geister. Während grüne Umweltapostel in ihnen das Heil und mit ihm die Rettung vor der Klimakatastrophe erhoffen, sehen andere darin die technische Perversion des Naturschutzgedankens. Sie glauben den Versprechungen nicht, dass der Wind unsere energetischen Zukunftsprobleme je lösen wird. Schon über 700 Bürgerinitiativen laufen inzwischen Sturm gegen die Windmühlen! Und damit haben die Gegner instinktiv recht, ist der Mensch doch nicht Herr des Windes. Woher bezieht er seinen Strom, wenn der Wind nicht weht und das ausgerechnet bei einem Endspiel um die Fußballweltmeisterschaft? Windrotoren sind wie Dynamos am Fahrrad. Diese liefern nur dann Strom und damit Licht, wenn das Rad sich dreht. Kann der Radfahrer die Drehzahl durch Muskelkraft bestimmen und damit die Helligkeit des Scheinwerfers, so bestimmt beim Wind das Wetter, ob er und wie heftig er weht. Soll Deutschland ein Land immerwährender Stürme werden, nur damit die Windstromrechnungen aufgehen? Nur für kapitalkräftige Investoren gehen die Rechungen schon heute auf. Dank günstiger Finanzierungskredite plus attraktiver öffentlicher Investitionsbeihilfen sowie hoher staatlich garantierter Strom-Einspeisevergütungen ist Windkraft wie ein „Klingelbeutel“, in die ein reicher Geldsegen fließt. Er stammt aus den ökosteuergeleerten Geldbeuteln vieler Millionen an kleinen Stromkunden!
        
Doch woher kommt der Wind um den Wind? Seit Beginn der siebziger Jahre geht eine Sorge um, die Sorge um eine vom Menschen verursachte Klimakatastrophe! Wissenschaftler behaupten es, die Medien verbreiten es und die Politiker glauben, dass die fossilen Energieträger wie Kohle, Öl und Gas die Erderwärmung forcieren und ein geradezu höllisches Klima mit sintflutartigen Zuständen hervorrufen würden. Die Menschheit würde sich in eine Ausnahmesituation manövrieren, wenn sie nicht schleunigst von den das gasförmige Kohlendioxyd freisetzenden und die Luft mit Treibhausgasen anreichernden fossilen Energieträgern Abstand nehmen würde. Seit zehn Jahren setzt die internationale Politik alle Hebel in Bewegung, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Doch was sie auch immer unternehmen wird, die „Wettergötter“ nehmen davon keine Kenntnis.

Als Ersatz bot sich schon früh die kohlendioxydfreie Kernenergie an. Sie allein wäre in der Lage, elektrische Energie in ausreichenden Mengen zu erzeugen, ohne dass die klimakillenden Treibhausgase in die Luft geblasen würden, um dort ihr Unheil anzurichten. Wem also ernsthaft an der Vermeidung und Abwendung der Klimakatastrophe gelegen sei, der müsse von dem billigen Slogan „Atomkraft? Nein danke!“ Abschied nehmen. Doch selbst die Androhung, dass der Kollaps des Weltklimas, der globale Klima-GAU als größtem anzunehmendem Unfall, weitaus schlimmere Folgen für die 6-Milliarden-Menschheit hätte wie ein lokal begrenzter atomarer Unfall, - erinnert sei an den Reaktorunfall 1986 von Tschernobyl -, half der Kernenergie nicht aus der politischen Akzeptanzkrise. Die Kernenergie nutzte die Propaganda nichts, sie musste sich der politischen Stimmung beugen, den eigenen Ausstieg akzeptieren und dies gesetzlich verbriefen.

Doch wie soll eine moderne Welt leben, deren „Lebenssaft“ der Strom ist, wenn die herkömmlichen Energieträger keine Akzeptanz mehr finden? Woher also soll der Strom kommen, der für eine Fabrikations-, Informations-, Kommunikations- und damit Konsum- und Spaßgesellschaft unverzichtbar ist? Natürlich aus der Steckdose! Doch wie kommt er in die Steckdose? Welche Energieträger gibt es? Als Alternativen wurden uns Sonne und Wind propagiert! In der Tat, die Sonne scheint „ewiglich“! Sie ist ein Kernfusionsreaktor, der noch Brennstoff für einige Milliarden Jahre hat. Ihre Energie übersteigt um das x-fache den Strombedarf der Menschheit. Eine „Solargesellschaft“ bräuchte weder Treibhauseffekt und Klimakatastrophe fürchten, noch einen atomaren radioaktive Substanzen freisetzenden Unfall!  

Die Alternative „Wind“ ist ebenfalls solaren Ursprungs. Die Sonne allein liefert die Energie für das irdische Leben. Ohne ihre Energie würden keine Pflanzen wachsen, um Nahrung für Mensch und Tier zu erzeugen. Die Pflanzen benötigen zu ihrem Wachstum aber auch das Kohlendioxyd in der Luft und das Regenwasser im Boden. Dass beide einigermaßen gleichmäßig über die Erde verteilt werden, dafür sorgen die Luftströmungen, der Wind. Der Wind ist also nichts anderes als bewegte Luft. Da Luft eine wiegbare Masse hat, hängt ihre Arbeitsleistung von der Geschwindigkeit ab. Und welche Kraft in der Luft steckt, das zeigen die Stürme und Orkane, die Häuser abdecken und Wälder umknicken können. Warum also nicht diese ungeheuren Energien nutzen und in elektrische Energie verwandeln? Vom theoretischen Energiepotential her ließen sich alle Energieprobleme der Welt lösen, und das auch noch ganz klimaschonend. 

Dieser Argumentation kann sich eigentlich kein vernünftiger und verantwortlicher Mensch verschließen. Ersetzen wir also all unsere Braunkohle-, Steinkohle- und Kernkraftwerke durch die umweltfreundlichen Windkraftanlagen, die zwar das Landschaftsbild verändern, doch ansonsten ein Geschenk des Himmels sind. Endlich sind wir soweit, den Wind, dieses „himmlische Kind“, als kostenlosen und immerwährend regenerativen  Energieträger in den Dienst des energiehungrigen Menschen zu stellen. Wer diese Chance nicht ergreife und sehe, sei blind oder vom Bösen geblendet und verschärfe die Umweltkrise.

Doch so einfach ist es nicht! Die Fakten, ja die raue Wirklichkeit sehen anders aus! Der Wind ist vom Wetter abhängig und das einzig Beständige am Wetter ist seine Unbeständigkeit. Das Wetter macht, was es will und auch der Wind weht, wenn er es will und nicht, wenn der Mensch es möchte. Die Windmühlen konnten nur solange Wasser schöpfen oder Korn mahlen, wie der Wind wehte. Strom können sie nur erzeugen und ins Netz einspeisen, wenn die Rotoren sich kräftig drehen. Wann und wie viel Strom der Wind erzeugt, das liegt nicht in der Hand oder der Macht des Menschen, sondern ausschließlich der Natur, des Wetters! Einzig der Luftdruckgradient, die Großwetterlage, entscheidet über die Kraft des Windes.

Nun wird der Wunsch der Vater des Gedankens, wird mit Zahlen jongliert und manipuliert, siegt die Propaganda über die Fakten, beginnen die geschönten Milchmädchenrechnungen, die Windpotentialspekulationen. Die Tatsache, dass die mittlere Windgeschwindigkeit über den Eifel- oder Hunsrückhöhen bei 5 m/s liegt, bedeutet längst nicht, dass nun der Wind die 8760 Stunden eines Jahres konstant mit dieser Windgeschwindigkeit weht. Kein Windpark ist je in der Lage, ein Dorf kontinuierlich mit Strom zu versorgen. Bei Nacht und Windstille gäbe es in einer Wind- und Solargesellschaft den berühmten „Schwarzfall“! „Blackout – und tschüss“! Kein Strom käme mehr aus der Steckdose. Ohne Strom stünden wirklich alle Räder still, würde die Kommunikation zusammenbrechen! Der Begriff „Alternative“ entpuppt sich als Etikettenschwindel. Die alternative Windenergie löst sich in Nichts auf, sie ist futsch. In solch einem Schwarzfall müssten sofort die so verteufelten Kohlenkraftwerke oder die noch gehassteren Atomkraftwerke angeworfen werden, um in den Elektrizitätsnetzen wieder Spannung aufzubauen und den Strom wieder fließen lassen zu können.

Was sagt uns das? Strom lässt sich nicht speichern oder ins Depot auf Vorrat anlegen. Elektrische Energie wird produziert, transportiert, verbraucht! Auch ein Mehr an Strom nützt nichts in Zeiten des Windmangels! Deswegen müssen die Kraftwerke, wenn der Bedarf von einem statistisch errechneten Wert abweicht, ständig hoch- oder heruntergefahren und dem tatsächlichen Bedarf einer Industriegesellschaft angepasst werden. Wer auf Wind und Sonne setzt, muss von der elektrifizierten Welt der weltumspannenden Information und Kommunikation Abschied nehmen und nach den vorgegebenen Rhythmen der Natur leben. Wollen und können wir das? Aus den Steckdosen käme nur noch sporadisch Strom. Das Wann und die Menge bestimmen wieder wie zu Urzeiten die Wettergötter. Wir wären wieder auf „Aeol“, den von den griechischen Seefahrern verehrten Gott des Windes, und seine Gunst angewiesen. Schöne grüne Utopien vom naturangepassten Leben würden zwar wahr, aber zu welchem Preis in einer Welt der Ballung, der gigantischen stromhungrigen Metropolen? So wie man nicht in 10 000 Meter Höhe aus einem Flugzeug aussteigen kann, kann man nicht die kulturelle und zivilisatorische Entwicklung der Menschheit auf ein agrarisch-vorindustrielles Niveau zurückdrehen. Der Ausruf von Rousseau „Zurück zur Natur“ mag wie Musik in den Ohren von Intellektuellen klingeln, ist jedoch eine pure Utopie. 
 
Um diese düstere Apokalypse nicht grausame Wirklichkeit werden zu lassen, muss endlich energisch gegengesteuert werden, mit Klugheit und Vernunft. Insbesondere die Medienzunft, deren Existenz auf jederzeit verfügbaren Strom aufgebaut ist, müsste allen Irrationalitäten auf energetischem Gebiet vehement widersprechen. Hier setzt die moralische Verantwortung für das Gemeinwohl an. Doch dazu muss sie sich zuerst von dem Trugbild von der Erde als Treibhaus befreien, mit dem die Angst vor der Klimakatastrophe künstlich geschürt wird. Besonders die Politiker sind gefordert, zuerst die Privilegierung und Subventionierung der Windkraftanlagen aufzuheben, denn die Verschandelung der Landschaft bezahlen wir alle, den Profit stecken jedoch nur einige Wind-Profiteure ein. Dort klingeln für gut 1760 Stunden im Jahr die Kassen, während der Stromkunde den Rest von 7000 Stunden vor der dunklen „Glotze“ absitzt.

Damit die Lichter nicht ausgehen und die Räder nicht stillstehen, ist eine rasche Rückbesinnung vonnöten. Die Chance hierfür besteht jederzeit, der Bürger muss sie nur ergreifen und die notwendigen Korrekturen erzwingen.

Oppenheim, den 26. Juni 2002
 
 

 

27.06.2002http://WilfriedHeck.tripod.com